PHOTO 2021 11 05 01 05 03 3Nachfolgender Brief erreicht uns Anfang November aus Brasilien. Er gibt eindrücklich einen Einblick in die Lebenssituation, zeigt zugleich wie wichtig Unterstützung ist.

Liebe Freundinnen und Freunde der Brasilieninitiative,

Ich schildere nachfolgend kurz die Realität, in der wir uns befinden. Wir haben von euch Hilfe bekommen, die ein „Glück“ für viele war, die noch stehen und laufen und um Hilfe schreien können. Sie ersticken fast am Hungertod und verschiedenen Krankheiten, einschließlich einer Infektion mit dem Coronavirus. Der Großteil der in unserer Region lebenden Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, dem Sozialprogamm Bolsa Família und Verträgen mit der Landes - oder Gemeindeverwaltung. Die Landwirtschaft ist wegen der Dürre, die im 7.Jahr ist, nicht erfolgreich. Das Sozialprogramm Bolsa Família ist vom Präsidenten der Republik aufgekündigt, (Anm.: Das angekündigte Nachfolgeprogramm läuft noch nicht) und die Arbeitsverträge mit staatlichen Stellen, die einige haben, werden im Hinblick auf den anstehenden Wahlkampf noch wohl für einige Zeit aufrechterhalten. Insgesamt ist die Situation der Menschen von alarmierendem Leid geprägt, ohne den Verlust von Freunden und Familienangehörigen durch Covid 19 und die enorme Arbeitslosigkeit zu erwähnen.

Es gibt einen Hilferuf der Armen!

Die kleinen Händler fangen jetzt an zu verzweifeln, fällt doch die Unterstützung durch das Bolsa Família-Programm weg, dies war noch ein gewisser Rückhalt.


Der Wert der Brennstoffe wurde bereits auf über 60 % angehoben, was Lebensmittel und andere Güter deutlich verteuert hat, insbesondere Grundnahrungsmittel wie Reis, der im letzten Jahr um 120 % gestiegen ist. Die Gaskartusche hier in unserer Region kostet bereits 110,00 R$, (Anm: ca. 18 €) was dazu führt, dass die Leute nach anderen Wegen suchen, um kochen zu können. Das Kochen am offenen Feuer hat bereits zu schweren Verbrennungen geführt. Die Dürre hat die Menschen im Nordosten daran gehindert, das für sie grundlegendste zu pflanzen und zu ernten: Mais, Bohnen, Kartoffeln und Maniok. Darunter leiden auch die Tiere. Die Aufzucht von Hühnern und Ziegen ist durch die Trockenheit zunehmend erschwert. In Bezug auf das Coronavirus sind die Folgen für diejenigen, die es schaffen zu überleben, drastisch: Unzählige Menschen sind aufgrund der Folgen monatelang auf Familienmitglieder angewiesen.


Eine weitere Tatsache, die es verdient, erwähnt zu werden: Unternehmen haben sich an einige Kleinbauern gewandt und bieten ihnen viele Vorteile an wenn sie bereit sind, Windkraftanlage zu installieren. Einige haben sich überreden lassen und die Folgen sind fürchterlich. Die Tiere, die die Familien noch haben, leiden derart, dass die Produktion der Eier bei den Hühnern und die Milchproduktion der Ziegen zurückging. Die einfachen Häuser in der Nähe einer Windkraftanlage haben Risse bekommen. Ich erinnere daran, dass die Eier und Milch von Kleintieren immer noch die Lebensgrundlage vieler armer Menschen sind.


Für uns wirkt es wie ein Kriegsszenario!

Eure Solidarität hat es vielen ermöglicht wenigstens an einigen Tagen in der Woche eine Mahlzeit zu bekommen. Die Hilfe, die wir für den Bau von Familien- und Gemeinschaftszisternen von euch bekommen, hat das Leben der Familien positiv verändert. Trotz der Leukämie, die ich in meinem Körper trage, bemühe ich mich, gemeinsam mit einem Team solidarischer Menschen das Leiden der Ärmsten zu lindern und mit ihnen zu teilen.

Einen großen Dank an die Freundinnen und Freunde der Brasilieninitiative.
Deus proteja vocês – Gott möge euch schützen.

Padre Rômulo Remígio Viana
Campina Grande, 5.11.2021