Auszüge aus dem Bericht Nr. 26 - Juli 2000:

"Die Arbeit der Erzieher/Innen von Casa Taiguara ist schwierig aber sie bringt sehr gute Ergebnisse mit sich und rettet Leben! Der kleine Robson beispielsweise hatte Fieber, man bracht ihn ins Krnakenhaus: es war der Blinddarm - wäre er auf der Straße gewesen hätte er daran sterben können. So wie bei Robson rettet die Equipe um Bel und Conceição jeden Monat Mädchen und Jungen vor den Drogen, der Kälte, der Prostituition... Gegenwärtig haben wir 14 Jugendliche im Entzug, zehn gehen jeden Tag in die staatliche Schule (mindestens sechs werden sich voraussichtlich im August anmelden). Ohne öffentliche Unterstützung oder großer Hilfsorganisationen beweist Casa Taiguara seit vier Jahren dass es möglich ist Kinder/Jugendliche von der Straße zu holen beim gleichzeitigen Angebot einer Alternative: 24 Stunden für sie da zu sein. Jeden Monat finden ca 50-80 Jugendliche den Weg zu Casa Taiguara, 100 finden jährlich den Weg zurück in ihre Familien. Dies ist nur möglich dank ihrer großzügigen Unterstützung: (Anm.: es folgt eine Aufzählung der Unterstützer/Innen, welche von Einzelpersonen, u.a. Künstler - beispielsweise stellte der Fotograf Ricardo Funari 30 seiner Bilder für eine Versteigerung zugunsten Casa Taiguara zur Verfügung - bis hin zu Institutionen wie Krankenhäuser oder Therapiezentren reicht) Im Augenblick steht die vollständige Renovierung der Küche an, eine Köchin wurde neu unter Vertrag genommen. Immer noch ist die finanzielle Situation prekär, die monatlichen Kosten sind bei weitem nicht durch die Spenden abgedeckt. Was den Kauf des Hauses betrifft, so sind im Augenblick immer noch die monatlichen Ratezahlungen - immerhin 5000 Reais, ca. 4250.-DM- fällig. Zu Beginn des kommenden Jahres fallen diese weg was eine nicht unerhebliche Entlastung bedeutet..."

Sommer 2000 - Bericht Nr.25 aus CASA TAIGUARA

Aus São Paulo erreichte uns der Bericht Nr.25 zur Situation in Casa Taiguara asu welchem wir nachfolgende Auszüge zitieren: " Wir sind am Beginn des Winters 2000 und es gibt fast keine Unterkünfte um die Kinder und Jugendlichen nachts beherbergen zu können. Oftmals schlafen sie in "mocós", Löchern unter den Viadukten, inmitten von Ratten und Ungeziefer, in der Kälte, im Schmutz, der Promiskuität. Wir haben inzwischen anderern großen Organisationen wie dem Projekt Travessia, dem Institut Dom Bosco, der Pastoral do Menor eine Zusammenarbeit angeboten. Auch unterbreiteten wir dem Staatlichen Sekretariat einen Plan der es ermöglichen würde, die Erwachsenene von der Straße zu bringen." Der Bericht geht desweiteren auf die Schwierigkeiten ein, ein "Casa Taiguarinha" einzurichten. Der vorgesehene Hauskauf hat sich zerschlagen, die Idee, ein Haus für die bis zu 12-jährigen ins Leben zurufen, besteht weiter. Der Aufruf von Frei Betto zur Unterstützung der Arbeit von Casa Taiguara in der Fastenzeit fand eine große Resonanz, die Spender/-innen werden im Bericht aufgeführt. Insgesamt - und dies zeigt dieser Bericht erneut - lebt die Arbeit von vielen Einzelpersonen, welche bereit sind, diese so notwendige Tätigkeit zu unterstützen.

Unterstutzungsaufruf von Frei Betto für CASA TAIGUARA - April 2002

In Brasilien fand das von uns unterstützte Straßenkinderprojekt CASA TAIGUARA während der Fastenzeit einen weiteren Unterstützer: Frei Betto, ein auch im Ausland bekannter Befreiungstheologe, entschloß sich dieses Jahr CASA TAIGUARA auszuwählen. Nachfolgende Auszüge stammen aus seinem Schreiben, mit welchem er in Brasilien in seinem Bekannten- und Freundeskreis um Hilfe bittet: " .......Wie alle wissen, rufe ich jedes Jahr in der Fastenzeit zur Unterstützung von Straßenkindern auf. Ich helfe Projekten, welche gut und verantwortungsbewußt mit den ihnen zur Verfügung gestellten Geldmitteln umgehen und im allgemeinen keine öffentliche Unterstützung erhalten. 1998 halfen mir zahlreiche Freund/Innen das Projekt Cintilar in Sao LourenVo (MG) zu unterstützen, im vergangenen Jahr war dies das CASA VIDA, in welchem sich der Priester Júlio Lancelotti um AIDS infizierte Kinder kümmert. Dieses Jahr wählte ich als Zeichen unserer Solidarität CASA TAIGUARA in São Paulo. Gegründet von meinem Freund Daniel Fresnot, einem Franzosen (Anm.: inzwischen naturalsierter Brasilianer), welcher zur Zeit der Militärdiktatur in Frankreich im Exil lebte.....Er ist 51 Jahre alt, Schriftsteller und Unternehmer, Besitzer der Verpackungsfabrik Fibratam und von einem tiefen ghandianischen oder franziskanischen Geist- je nach Sichtweise-geprägt. Das 1996 gegründete Haus hat bis heute 315 Kinder/Jugendliche betreut. 40 hiervon fanden den Weg in die Schule zurück, mehr als die Hälfte hat wieder Verbindung zu den Familien aufgenommen. Zu Beginn dieses Jahres schrieben sich vierzehn in der staatlichen Schule in Moóca ein. Die Schulleiterin erzählte mir, dass sie Schüler/Innen in der 6.Klasse hat, die unter den Viadukten der Stadt schlafen. Warum gehen diese Kinder auf die Straße? Die Hauptursache ist in der häuslichen Gewalt zu sehen (Streit zwischen den Paaren bis hin zu Vergewaltigungen der Töchter), Orientierungslosigkeit in vielen Familien (Verlust der Wohnung aufgrund des Mietpreises, Arbeitslosigkeit, Vater im Gefängnis, Mutter gestorben...) CASA TAIGURA respektiert die Freiheit der Kinder. Diese kommen aus freiem Willen und haben sodann ein Recht auf Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleidung, Schlafplatz. Allerdings haben sie auch Pflichten: Waffen, Drogen, geraubte Gegenständen müssen außerhalb des Hauses bleiben; Streit ist zu vermeiden; die Teilnahme an den internen Aktivitäten wie Beteiligung an der Reinigung des Hauses, Besuch des Unterrichts in Mathematik und portugiesischer Sprache wird verlangt. Auch Kurse in Elektrizität und Informatik werden angeboten. Im Augenblick hat man begonnen eine Bibliothek aufzubauen. Jeden Monat schauen im Augenblick ca. 60 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren vorbei.... Heute arbeiten in CASA TAIGUARA 12 Erzieher/Innen, jede/r mit einem Gehalt von 600 Reais. (Anm: ca.: 590.-DM, der staatliche Mindestlohn beträgt 150 Reais). Die monatlichen Unterhaltskosten belaufen sich augenblicklich auf 20.000 Reais, von denen etwas mehr als die Hälfte (12.000 Reais ) durch Spenden aufgebracht werden, die Differenz bringt Daniel Fresnot auf..... Im Augenblick ist der Hauskauf in die Wege geleitet. Von dem Gesamtpreis von 120.000 Reais gelang es bisher bereits die Hälfte zu bezahlen und dies ohne einen Pfennig öffentlicher Unterstützung! Alles aufgrund von Spenden! Da das Zusammenleben von Kindern und Jugendlichen nicht einfach ist, beabsichtigt Daniel Fresnot ein weiteres Haus CASA TAIGUARINHA ins Leben zu rufen. Ein Haus in der Bixiga käme in Frage, jetzt gilt es auch hier die Finanzierung von ebenfalls 120.000 Reais abzusichern. Es ist es wert in dieses Projekt zu "investieren". Wenn ihr dazu neigt, leistet euren Beitrag und sei es in Form des Gegenwertes eines Abendessens in einem Restaurant und überweist dieses Geld ...(Anm: es folgenden die Kontoangaben) Ich wünsche Euch Allen von ganzem Herzen ein freudiges Osterfest Frei Betto

Bericht Nr. 24

Im seinem Frühjahrsbericht 2000 gibt Daniel Fresnot, der Vorsitzende von Moradia Associacao Civil einen Überblick über die Einnahmen/Spenden bzw. Ausgaben im Jahr 1999.Die Ausgaben beliefen sich 1999 auf 284.960,00 Reais ( 1 real = 0,55 Dollar)* Darin sind u.a. die Hausmiete bzw. die Abzahlungsraten (Anm: zur Erinnerung - auch mit Unterstützung der Brasilieninitiative wurde 1999 der Hauskauf in die Wege geleitet)und die Löhne enthalten. Neben zahlreichen Sachspenden (Nahrungsmittel, Kleidung) gab es zahlreiche Geldspenden von Einzelpersonen, die es ermöglichten, den Unterhalt von CASA TAIGUARA zu finanzieren. Unter den Spendern befanden sich neben "unbekannten" Personen auch Musikgruppen wie "Cheiro de Capim" oder der Vorsitzende der CUT-Gewerkschaft, Vicentinho. Desweiteren weist Daniel Fresnot in seinem Brief darauf hin, dass 1999 mehr als 300 Kinder und Jugendliche das Angebit von CASA TAIGUARA wahrnahmen und zu Beginn des Jahres 2000 viezehn Jugendliche einen erneuten Schulbesuch versuchen. Einige unterziehen sich einer Entziehungskur, dies ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden (ca. 200-300.-DM monatlich). Hierfür werden laufend "Paten" gesucht. Eine Ausweitung der Aktivitäten ist von der Taiguara-Equipe beabsichtigt: so soll im Verlauf des Jahres 2000 ein weiteres Haus erworben werden um hierin die 5-12 jährigen Kinder aufnehmen zu können. Der Alltag in CASA TAIGUARA zeigte, dass die Altersspanne von 5-17 Jahren letztlich zu groß ist um ein konfliktfreies Miteinander zu ermöglichen. Der Brief endet mit dem Dank und dem Gruß an alle, welche bisher CASA TAIGUARA unterstützten. * Der gesamte Bericht mit den Einzelbeträgen kann bei uns in portugiesischer Sprache angefordert werden. Anm.: Bis jetzt steht die staatliche Anerkennung immer noch aus, umso unverzichtbarer ist deshalb die weitere Unterstützung dieser so wichtigen Arbeit.