Daniel Fresnot, Herbst 2002

19.05.2002: CASA TAIGUARINHA eröffnet

Am 19 Mai war es soweit. Was vor einigen Jahren mit Casa Taiguara begann fand nun eine erfolgreiche Fortsetzung. Das Strassenkinderprojekt Casa Taiguara bekam "Zuwachs": für die 7-12 jährigen wurde das nebenan liegende Haus, welches Ende letzten Jahres gekauft wurde, als "Casa Taiguarinha" eröffnet. Die im Zentrum São Paulos liegende Anlaufstelle für die Strassenkinder hat durch seine Konzeption inzwischen großes Ansehen erreicht und ist auch bei den Strassenkindern zu einer vertrauenswürdigen Adresse geworden und findet bei diesen eine große Akzeptenz. Dieses von der NGO Moradia Assoçiacão Civil getragene Projekt trägt sich jedoch wie zu Beginn ausschließlich durch viele Einzelspenden. Momentan - in São Paulo gibt es seit kurzer Zeit mit Marta Suplicy eine PT- Präfektin - wird versucht, von seiten der Präfektur anerkannt zu werden, was finanzielle Zuwendungen bedeuten würde. Der modellhafte Charakter von Taiguara - 24 Stunden offen, Bildungs-und Feizeitangebote und genügend Betreuer für die Strassenkinder zeigen beeindruckende Zahlen der vergangenen Jahre. Es gelang und gelingt sowohl Jugendliche nicht nur dauerhaft von der Strasse weg zu holen sondern sie teilweise auch wieder in ihre Familien zu integrieren. Dass diese Arbeit unglaublich hart ist, zeigen die täglichen Begegnungen mit den Strassenkindern: viele Enttäuschungen sind zu verkraften, andererseits: gelingt es jedoch - was immer wieder der Fall ist - einen Jugendlichen weg von Prostitution, Drogen, Elend zu bringen.Beispielsweise Elias (16). Er wird am 28.6. siebzehn Jahre alt, Familie hat er keine, er lebt seit dem 6. Lebensjahr auf der Strasse und seit dem 15.2.1999 im Casa Taiguara. Mit vier Jahren kam er mit seinen Eltern aus Minas nach São Paulo. Diese sahen keine Möglichkeit ihn bei sich zu behalten und gaben ihn deshalb seiner Oma, die ihn jedoch zur "Unidade de Acolhimento" weiterschickte. Der Weg durch verschiedene Einrichtungen begann kurz darauf: Abrigo Moca, Casa Renascer, Lar Gotas de Amor , Rainha da Paz, SOS Crianca.waren die verschiedensten Stationen seines jungen Lebens. Was die Zukunft bringen wird ist ungewiss, für das Team von Taiguara ist es bereits ein Erfolg dass er bereit war wieder die Schule zu besuchen. Das jetzt eröffnete Casa Taiguarinha für die 7-12 jährigen Strassenkinder schließt eine Lücke: die Erfahrung hat gezeigt dass auch bei den Strassenkindern untereinander eine "Hackordnung" besteht unter der vor allem die Jüngeren zu leiden haben. Casa Taiguarinha eröffnet nun für diese Altersgruppe erstmals die Möglichkeit freier über alternative Möglichkeiten als das Leben auf der Strasse nachzudenken und sich evt. auch leichter hiervon zu lösen. Das dies ein weiter Weg ist weiß das Taiguara-Team: "es ist halt ein langer Prozess, bis die Loslösung von der Strasse erfolgt", so Conceição. So wie das Ergebnis der Arbeit der letzten Jahre in Taiguara aussieht, kommen mittelfristig auch die staatlichen Stellen nicht an einer Anerkennung vorbei, es bleibt die Hoffnung, dass das "Modell Taiguara" vielleicht sogar langfristig ein Ende der staatlichen "Aufbewahrungsanstalten" wie FEBEM bewirkt.

2001/2002: Grüsse zum Jahreswechsel und ein großes Dankeschön aus Sao Paulo

Zum Jahrswechsel erreichte die Brasilieninitiative aus Brasilien einen Brief aus CASA TAIGUARA, in welchem sich Daniel Fresnot im Namen des ganzen Taiguara-Teams für die erhaltene Unterstützung bedankt. Zugleich erwähnt er, dass es gelungen ist, das neben CASA TAIGUARA befindliche Haus mittels einer Spende aus Brasilien zu erwerben und jetzt - nicht zuletzt durch die Unterstützung der Brasilieninitiative - zu renovieren.

In Kürze werden in diesem CASA TAIGUARINHA sodann die 6-12 jährigen Strassenkinder untergebracht. Auch hier wird es zwanzig Schlafplätze geben. Dem Dankeschön aus Brasilien an alle Unterstützer/-innen möchten auch wir von der Brasilieninitiative uns anschließen.

Alles Gute für 2002!

Relatório 30 - Sommer 2001: Casa Taiguarinha geplant

Das Strassenkinderprojekt CASA TAIGUARA schreitet voran. Im neuen Rundschreiben der Moradia Associaçao Civil wird neben der Nennung weiterer Unterstützerpersonen vor allem erwähnt, dass der Kauf eines angrenzenden Hauses ermöglicht, ein Projekt "CASA TAIGUARINHA" in Angriff nehmen zu können. Konkret bedeutet dies, dass in diesem Haus dann 6 - 12 jährige Strassenkinder eine Unterkunft finden sollen. ( Anm.: Durch eine großzügige Spende wurde der Kauf ermöglicht, jetzt gilt es das heruntergekommene Haus total zu sanieren, wofür noch Unterstützer/-innen gesucht werden. Die Brasilieninitiative wird sich hierfür entsprechend engagieren) Der Alltag des Taiguara-Teams sieht nach wie vor so aus, dass pro Monat ca 70 Mädchen und Jungen betreut werden. Als Beispiel sei Jonathan erwähnt, der 12-jährige mit dem Aussehen eine 8-jährigen. Die Arbeit des Teams umfasst sowohl medizinische, psychologische, juristische und schulische Betreuung. Nur in einer solchen "rund um Betreuung" sieht man in Taiguara die Chance, die Kinder und Jugendlichen definitiv von "der Strasse, den Krankheiten, den Drogen, der Verbrechen, der Prostitution, des Gefängnisses und des Todes" wegbringen zu können. Den Erzieher/-innen von CASA TAIGUARA gelang es den 8-jährigen Jungen Elvele Lustosa, der als verschwunden galt, wieder seinen Eltern zurück zu bringen. Neu im Taiguara-Team ist Sidnei, er war ursprümglich Strassenkind und löste sich durch CASA TAIGUARA vom Leben auf der Strasse. Jetzt soll er seine Erfahrungen gerade auch im Umgang mit Drogen an andere weitergeben und so mit beitragen, anderen den "Loslösungs-Entschluss" zu erleichtern. Für 2001 wird im Rundschreiben zuletzt noch der Kostenvoranschlag vorgelegt. Dieser beläuft sich auf 478.500,00 Reais (1 DM = 1,01 Reais Stand: 22.06.2001). Zwar gibt es inzwischen einen festen Unterstützerkreis, dennoch sind diese Ausgabne nicht gesichert und neue Unterstützer/-innen notwendig. Zudem besteht die Möglichkeit für einen Jugendlichen die Kosten einer Entziehungskur zu bezahlen. (Anm.: Diese belaufen sich auf 100 bis 400 Reais monatlich - nähere Auskünfte bei der Brasilieninitiative)

Relatório 29 - Frühjahr 2001

In diesem Bericht legt die Moradia Associacao Civil ihre Spendeneinnahmen im Jahr 2000 offen. Den Einnahmen von 412.734,00 Reais, davon immer noch ein Großteil nämlich 120.000 Reais vom Initiator des Projekts, Daniel Fresnot, stehen Ausgaben von 411.407,00 Reais gegenüber. Im Bericht wird betont, dass die Solidarität im vergangen Jahr - gerade auch in Brasilien - zugenommen hat. Neben der Alltagsarbeit im Casa Taiguara gelang 17 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren zu einem Drogenentzug außerhalb Sao Paulos zu bewegen und bis heute sind diese nicht rückfällig geworden. Der Bericht schließt: "Dies ist unsere Aufgabe: der brasilianischen Gesellschaft zu zeigen, dass es eine Lösung für die beschämende Tatsache, dass Kinder auf der Straße leben, gibt. Mit Ihrer Unterstützung wird dies uns gelingen! Vielen Dank für Ihre Großzügigkeit." - Der Rechenschaftsbericht 2000 kann bei uns in portugiesischer Sprache bezogen werden. -Brasilieniinitiative-

Bericht Nr.27 erschienen

In diesem Bericht geht es dieses Mal vor allem darum, die vielfältigen Aktivitäten aufzuzeigen, wodurch das "Überleben" von Casa Taiguara letzlich nur möglich ist. Die Unterstützung kommt inzwischen von vielen Seiten, darunter vielen Einzelpersonen. Sie reichen von der Organisation eines Abendessens und eines Solidaritätsfestes von "Alt-68ern" zugunsten Casa Taiguara bis hin zum Autorenverzicht bei Bucheinnahmen, kleinen Geldspenden von Einzelpersonen und Sachspenden wie Kleidung und Lebensmittel. Es gelingt dem Taiguara-Team jenseits aller ideologischer Sichtweisen, Bürger/-innen im gemeinsamen Anliegen den Strassenkindern eine Alternative aufzuzeigen, zur Beteiligung zu bewegen. Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigte nicht zuletzt erneut eine "chacina" - Ermordung mehrerer Strassenkinder bzw. Nicht-Sesshafter - am 3.10.2000 an einer Stelle in der Nähe der Avenida 23 de Maio. Fünf Menschen starben an diesem Tag, einige der Kinder welche heute in Casa Taiguara leben, "wohnten" früher an genau diesem Platz. Das Taiguara-Team dankt im Bericht allen Unterstützer/-innen, die ermöglichten, dass diese Kinder von der Straße wegkamen und so ihr Leben gerettet werden konnte. Wie immer kann der gesamte Bericht in porugiesischer Sprache bei der Brasilieninitiative angefordert werden.