Februar 2004

 

Uns erreichte der Jahresrückblick auf das Jahr 2003, der zukünftig einen Gesamtüberblick über die geleistete Arbeit geben wird. Neben den vielfach angebotenen und ausgeführten Aktivitäten, die das Taiguara-Team mit den Straßenkindern ausführte, enthält der Bericht auch einige interessante Daten. So wurden im abgelaufenen Jahr 858 Kinder/Jugendliche in Taiguara/Taiguarinha aufgenommen bzw. ihnen wurde Hilfe,Beratung zuteil. Nicht beinhaltet sind in dieser Zahl die zahlreichen Straßnekinder, die nur mal auf eine Dusche bzw. ein Essen vorbeischauen. Wer diesen Bericht - auf portugiesisch - bekommen möchte, lass uns dies bitte wissen. (bitte 3€ in Briefmarken im Briefumschlag beilegen)

Mai 2003

In diesem vom Mai 2003 stammenden Bericht wird ein kurzer Rückblick auf das Jahr 2002 gegeben. Nochmlas wird daraud hingewieen, dass mit der im vergangenen Jahre erfolgten Eröffnung von Casa Taiguarinha ein weiterer Schritt nach vorn gegangen wurde. Das für Kinder bis zum 12.Lebensjahr konzipierte Haus war innerhalb kurzer Zeit mit 15 Kindern belegt. Insgesamt stehen in beiden Häusern jetzt 34 Betten zur Verfügung, zehn Kinder befinden sich momenta außerhalb Sao Paulos zur Entziehungskur. Jeden Monat betreut Casa Taiguara mehr als 70 Kinder/Jugendliche.

Obwohl die Stadtverwaltung inzwischen die Arbeit des Taiguara-Teams anerkennt, reicht der monatliche Zuschuß nicht für die entstehenden Kosten auf, d.h. nach wie vor ist die Unterstützung vieler notwendig.

Auch auf der politischen Ebene ist das Taiguara-Team aktiv: so wurde an die Regierung in Brasília ein ausgearbeiteter Entwurf gesandt, der der Regierung aufzeigt, auf welche Art und Weise es möglich ist, die Straßenkinder von der Straße weg zu bekommen. Hierbei dient Casa Taiguara als Modell.

Es ist möglich, die Kinder von der Strasse zu bringen "Es ist sehr wohl möglich, das Problem der auf der Strasse hausenden Kinder in São Paulo undanderern brasilianischen Städten zu lösen.

1) Offenes Haus rund um die Uhr

In diesen Häusern gibt es sowohl Regeln als auch pädagogische Grundsätze zu beachten. Im Fall der Häuser Casa Taiguara (13 - 17 Jahre) und Taiguarinha (bis 12 Jahre) haben die Kinder fünf Grundregeln zu beachten:

  • Keine Drogen ins Haus mitbringen
  • Ebenso keine Waffen oder geraubte Gegenstände
  • Keinen Streit anzetteln
  • Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten
  • Teilnahme am Angebot der Lehrpersonen aufgreifen mit dem Ziel die Rückkehr in eine Schule zu ermöglichen.

Täglich werden Kinder von der Strasse geholt, auch unter Drogeneinfluss. Eine Sozialarbeiterin prüft bei uns, inwiefern eine Rückkehr zur Familie möglich ist. Dies ist in der Mehrzahl der Fälle zunächst ausgeschlossen, da die Jugendlichen einst aus ihrem Elternhaus abgehauen sind; dort waren sie zuvor i.d.R. schlecht behandelt, geschlagen, sexuell missbraucht, gedemütigt worden. Solange eine Rückkehr unmöglich erscheint wohnen die Kinder in Häusern wie Casa Taiguara und gehen in die Schule. Kinder bzw. Jugendliche mit Drogenproblemen werden an Entziehungshäuser ausserhalb São Paulos weitervermittelt. Die hierfür pro Person anfallenden monatlichen Kosten von 400 Reais werden durch die ausgezeichneten Ergebnisse gerechtfertigt.

Der Unterhalt der beiden Häuser Casa Taiguara und Taiguarinha beläuft sich auf monatlich 40 000 Reais, wobei die Kosten für die Entziehungskuren für augenblicklich 15 jugendliche beinhaltet sind. Monatlich ist Taiguara / Taiguarinha Anlaufstelle für über 100 Straßenkinder. Insgesamt wird die Zahl der im Grossraum São Paulo lebenden Straßenkinder auf ungefähr eintausend geschätzt. Es würde genügen zehn Häuser für die Kleinen und weitere zehn für die Jugendlichen zu errichten, was Kosten von ca. 1 Million Reis bedeuten würde. Die Erfahrung von Casa Taiguara seit 1996 zeigt, dass die Bereitschaft, rund um die Uhr ansprechbar zu sein sich als Lösung empfiehlt, dies zeigen nicht zuletzt die erzielten Ergebnisse.

2) Begleitung

Bei entsprechender Anzahl offener Häuser ist es ein leichtes alle auf der Strasse lebenden Kinder aufzunehmen und sie zu begleiten. Diese notwendige Begleitung - um sie vom Leben auf der Straße weg zu bringen - muss vor allem über "Straßenerzieher" bzw. entsprechend ausgebildetes Personal in den Häusern geschehen. Norm müsste sein den Kleinen das Schlafen sodann auf der Strasse zu untersagen, den "Estatuto da Criança e do Adolescente" anzuwenden und auf diese Art und Weise Lebensbedingungen für die Kinder weg von der Strasse zu schaffen. Die Auswirkungen einer Gewaltprävention wären erheblich und allein dies rechtfertigt eine Investion.

Neben diesen 24 Stunden geöffneten Anlaufstellen, der Zusammenarbeit mit Schulen und Drogenentziehungsheimen ist es notwendig, einen Schritt weiter zu denken. Die Einrichtung von "Repúblicas", Wohnraum für Jugendliche, denen die Loslösung gelang, welche lernen oder arbeiten, ist vorzusehen. Das Wohnen in einer "República" wäre eine Belohnung für einen Jugendlichen, welcher endgültig die Strasse, Drogen, Kriminalität verlassen hat. Die monatliche Kosten beliefen sich hier für 30 Jugendliche auf 12.000 Reais. Bei angenommenen zwanzig "Offenen Häusern" würden zehn "Repúblicas" ausreichen, die Anzahl der Erzieher wäre in diesen Häusern bedeutend geringer, die Jugendlichen übernähmen Selbstverantwortung.

Im bisherigen Verlauf des Jahres 2002 gibt es in São Paulo nur zwei Häuser, welche rund um die Uhr geöffnet sind. (Taiguara und CCCA Arteevida). Dies ist unzureichend. Würde man die gemachten positiven Erfahrungen multiplizieren wäre es möglich, alle Kinder von der Strasse zu holen. Mit entsprechenden Mitteln können wir soweit kommen.