covid 01Seit vielen Jahren unterhält die Brasilieninitiative Freiburg e.V. auch Kontakte nach Amazonien. Die Pandemie betrifft besonders stark die indigenen Völker und wir stehen mit unseren Partner:innen in einem kontinuierlichen Austausch.

Solidarität mit Indigenen

Die Lage hat sich seit Beginn des Jahres 2021 weiter verschlechtert, im Bundestaat Roraima kommen zunehmend Indigene aus Venezuela an, leben in erbärmlichen Verhältnissen. Bekannt ist durch die hiesigen Medien die Lage in Manaus. Nachfolgend Auszüge aus Briefen von Egydio Schade – er lebte lange Zeit bis zu seiner Ausweisung mit dem Volk der Waimiri-Atroari:

 

„…Manaus ist momentan eventuell der aggressivste Fokus der Coviderkrankung in der Welt. Und in der Region im Norden von dieser Großstadt konzentrieren sich große Teile der indigenen Bevölkerung dieses Landes. Selbst hier in dieser relativ kleinen Stadt, in der ich wohne, 120 Kilometer nördlich von Manaus, vergeht kein Tag, an dem nicht von Coronatoten berichtet wird. Heute waren es zwei. Manaus ist die einzige Stadt im Bundesland, die über Betten mit Beatmungsgeräten verfügt, es ist ein völliges Chaos. Von den indianischen Völkern erhalten wir überhaupt keine Informationen mehr, auch nicht von den Waimiri-Atroari, die in unserem Munizip leben. Die Behörden, sowohl die des Bundes als auch die des Landes, betreiben weiterhin ihr Spiel der gegenseitigen Schuldzuweisung und niemand weiß, wann wirklich eine Immunisierung der Menschen stattfinden wird, wobei die der indigenen Völker besonders wichtig ist, die, wie schon die erste Covid19-Welle gezeigt hat, die verwundbarste und am stärksten von der Krankheit betroffene Bevölkerungsgruppe ist ...“

Egydio Schwade, Januar 2021, Presidente Figueiredo/Manaus

Liebe Brasilien-Interessierte, liebe Mitglieder der Brasilien-Hilfe e.V. und der brasilieninitiative f r e i b u r g   e.V.,

covid 02seit kurzem stehen wir erneut in einem sehr engen Kontakt mit Egydio Schwade, einem der Gründer des katholischen Indianermissionsrates (CIMI). Wir haben, nachdem uns ein dringender Hilferuf Egydios erreichte, Kontakte zu befreundeten Organisationen aus der Brasilien- und Menschenrechtsszene sowie mit uns nahestehenden Politikern aufgenommen. Das geschah, um einerseits Geld für dringende Hilfsmaßnahmen in Amazonien zu requirieren und um andererseits die Zusammenarbeit mit politisch Verantwortlichen in Deutschland zu vertiefen.
Um Sie/Euch auf dem Laufenden zu halten, veröffentlichen wir im Folgenden einige Ausschnitte aus Egydios beiden letzten Briefen, die uns am 3. Februar dieses Jahres erreichten.
„Die hiesige Situation ist weiterhin ein Chaos, insbesondere in Manaus und in Boa Vista, der Hauptstadt von Roraima. Und jetzt breitet sich dieses Chaos aufgrund des Mangels von Sauerstoff auch noch überall im Hinterland aus. Es erreichte schon zu Beginn dieser Woche alle Städte im westlichen Teil von Pará. Es fehlt an Sauerstoff – man stelle sich das einmal vor! In der Lunge des Planeten fehlt es an Sauerstoff für die Menschen.
Der bei der Regierung Bolsonaro so verhasste Präsident Venezuelas schickt schon die ganze Woche lang einige Laster mit Sauerstoff nach Manaus und Boa Vista, wodurch sich die Lage sehr entspannte. Zuletzt geschah der Transport durch den Zentralverband der Arbeiter (CUT), weil die Bundesregierung daran nicht das geringste Interesse zeigte. Der Hunger, der während der Legislaturperioden der PT-Regierungen (PT: Partei der Arbeiter) verschwunden war, ist wieder zurückgekehrt. Und er nimmt jeden Tag zu. Jeden Tag klopfen hier Leute an die Tür und bitten um Essen.“
Egydio, der schon 85 Jahre alt ist, wurde vor wenigen Tagen mit dem Serum von AstraZeneca geimpft. In einigen Indianerregionen, so zum Beispiel am Oberlauf des Amazonas, hat auch unter den Indigenen die Impfkampagne begonnen. Insgesamt betrachtet kommt aber in ganz Brasilien die Impfung nur sehr schleppend voran. Nicht wenige Beobachter und Beobachterinnen mutmaßen, dass er gerade in Manaus wegen des hohen Prozentsatzes an indianischstämmiger Bevölkerung kaum Fortschritte macht: Präsident Bolsonaro ist während seiner schon zweijährigen Regierungszeit nicht müde geworden, gerade sie zu verunglimpfen und zu bedrohen.
In seinem zweiten Brief geht Egydio insbesondere auf die Lage der Waimiri-Atroari ein, zu denen er eine besonders enge Beziehung hat. Bei ihnen hat er mit seiner verstorbenen Frau Doroti in den 80-er Jahren gelebt und gearbeitet. Egydio und Doroti gründeten für Kinder und Erwachsene Schulklassen und erfuhren während ihrer  Alphabetisierungsmaßnahmen von dem Völkermord, dem diese beiden Völker während der Zeit der Militärdiktatur (1964-85) ausgesetzt waren.
covid 04„Meine Insistenz, mit der ich die Aufmerksamkeit insbesondere auf die Waimiri-Atroari, die sich selbst Kiñá nennen, lenken will, kommt daher, dass die Regierung Sarney in den 80-er Jahren die Verantwortung für dieses Volk einem Unternehmen, der Eletrobras, übertrug. Das verstößt gegen die brasilianische Verfassung. Der Staatliche Indianerschutzdienst (FUNAI) unterhält auf dem Gebiet der Waimiri-Atroari Kontrollposten und ist die einzige Organisation, die Zugang zu ihrem Gebiet hat. Allen anderen Organisationen, auch dem CIMI; ist der Zutritt verwehrt. „Seit 1987, wie Bernd weiß, klage ich ständig diese Situation an, die diesem indigenen Volk großen Schaden zufügt. Deshalb haben wir augenblicklich auch keine Nachricht darüber, was im Gebiet der Waimiri-Atroari geschieht. Das steht in krassem Gegensatz zu den meisten anderen indianischen Regionen. Im vergangenen Jahr begleitete mein Sohn Maiká, der Geograph ist, eine Kommission von Bundesabgeordneten, wodurch wieder aufs Neue ein schwacher und oberflächlicher Kontakt mit ihnen  hergestellt werden konnte.“
Egydio will jetzt darauf hinwirken, dass ein Mitglied der Waimiri-Atroari in das Impfkomitee des Munizips Presidente Figueiredo aufgenommen wird.

Bernd Lobgesang, Brasilien-Hilfe e.V.
Günther Schulz, Brasilieninitiative Freiburg e.V.

Angesichts dieser dramatischen Lage rufen wir weiter zur Unterstützung auf. Durch den jahrelangen Kontakt mit Egydio Schwade können wir zusichern, dass die Geldspenden, die ohne jegliche Abzüge weitergeleitet werden, entsprechend Verwendung finden.

 

 

Unterstützungsbeträge bitte auf unser Konto, Spendenbescheinigungen werden ausgestellt. Die brasilieninitiative f r e i b u r g  e.V. sammelt Spenden, um Maßnahmen zur Eindämmung der Fallzahlen zu unterstützen. Wir finanzieren so vor Ort die Beschaffung von Schnelltests und Masken. Wir unterstützen mit dem Geld auch den Bau von Hygienestationen.
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Stichwort „Brasilien gegen Covid“