Der SZ-Korrespondent Peter Burghardt berichtet von seinem Besuch bei Bischof Kräutler in Altamira.

Den Fördermitgliedern der Brasilieninitiative ist Bischof Kräutler kein Unbekannter, bereits seit Jahren unterstützen wir dessen Bemühungen den Bau des Staudammprojekts Belo Monte zu verhindern.
Nachfolgender Artikel veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung am Montag, den 08. August 2011.

 

Weggespült

Brasilien boomt und lechzt nach Strom und gräbt sich für das Wasserkraftprojekt Belo Monte immer tiefer in den Regenwald. Für die Ureinwohner ist der Staudamm ein Monster - für Bischof Erwin Kräutler der letzte Dolchstoß für Amazonien.  Von Peter Burghardt
Altamira - Draußen fließt der Fluss, der das Monster nähren soll. Blau und breit, wie seit Tausenden Jahren. Selbst in der Trockenzeit liegt der Rio Xingu wie ein See in Brasiliens Regenwald, durchsetzt von grünen Inseln, durchpflügt von bunten Booten. Hinter Altamira schlägt er eine Schleife, dort soll das Ungetüm wachsen, Belo Monte, der Staudamm. 250 Kilometer nördlich mündet der klare Strom in den trüben Amazonas. Für die Ureinwohner bedeutet Xingu 'Haus der Götter', das gefällt Bischof Kräutler. Aber dem Gotteshaus der Indianer droht Gefahr. Erwin Kräutler schaut vom Balkon seiner Pfarrei auf das glitzernde Wasser. 'Ich hab" richtig Angst um die Zukunft Amazoniens', sagt er. 'Belo Monte ist der letzte Dolchstoß.'
Kräutler kommt aus Österreich, man hört das sofort. Seit 46 Jahren ist er Priester in der Tropenstadt Altamira, er kennt den Busch mittlerweile besser als die Berge seiner Heimat. 1980 machte ihn der Vatikan zum Bischof von Xingu, seine Diözese ist größer als Deutschland und fast ganz von Dschungel bedeckt. Sein Einsatz für Umwelt und Menschenrechte wurde oft ausgezeichnet, 2010 mit dem Alternativen Nobelpreis. Die Brasilianer haben ihn längst eingebürgert, Dom Erwin nennen ihn seine Freunde.
Seine Feinde dagegen wollen ihn umbringen, deshalb passen unten am Eingang Kameras und vier Leibwächter auf. Den Morgenspaziergang an der palmengesäumten Uferpromenade vor der Tür musste Kräutler aus Sicherheitsgründen streichen, dabei ist er mit 72 noch recht fidel. Denn außer um die Seelen seiner Gemeinde kämpft Erwin Kräutler gegen Projekte wie das Kraftwerk Belo Monte. Er sagt: 'Wenn das so kommt, dann können wir Amazonien das Requiem singen.'