In einem Seitenarm des Sobradinho-Stausees sind 11 Kinder ertrunken.

 

 

Liebe Freundinnen und Freunde in Deutschland,

am 12. September war ich mit einer Gruppe von etwa 500 Personen auf einer Wallfahrt im trockenen Inland. Bei der predigt kamen Jugendlich, Frauen, Männer und Kinder zu Wort. Wir sprachen vom - Sehen, Urteilen und Handeln. In dieser Form machten wir eine improvisierte Predigt, in der alle zu Wort kamen und es klappte. Die anstehenden Probleme wurden auf diese Weise volksgemäß behandelt. Wir sind ausgegangen von dem Bibelwort:

„Du kannst nicht 2 Herren dienen“, Lukas 16, 13. Etwa 800 der Anwesenden erinnerten wortstark an die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. (Anmerkung: Die Befreiungstheologie stirbt nicht!)

Am Abend gegen 18:00 Uhr kamen wir nach 250 km Bußfahrt in Pilão Arcado an. Hier erwartete mich die traurige Nachricht, dass in einem Seitenarm des Sobradinho-Stausees 11 Kinder ertrunken waren. Zuerst nahm ich die Nachricht nicht sehr ernst, weil Gerüchte und Geschwätz gang und gebe sind; niemand wusste etwas genaues.

Am Morgen des 13.09 ging ich gegen 05:30 Uhr zum Morgengebet in die Kirche. Es versammelten sich ca. 30 Frauen und Männer. Neben der Kirche befindet sich der `Camera dos Verreadors´, einem Saal für die Kreisräte. Ich ging hin, weil dort einige Leute warteten. Es waren zu dieser Zeit schon 3 Kinder aufgebahrt; auch eine Mutter, die 5 Kinder verloren hat, war schon dort. Alle Eltern und Großeltern der verunglückten Kinder kenne ich sehr gut. Diese Menschen kamen vor kurzer Zeit aus dem Inland in die Stadt, um hier ein besseres Leben zu haben. Eine der Großmütter war die Gemeindeleiterin in ihrem Dorf und hier in derStadt hilft sie in der Kinderpastoral mit.

Was war geschehen. Am 12.09., einem Sonntag, war die ganze Großfamilie zu einigen Gehöften am Flussufer (Seeufer) eingeladen, um zu baden und zu fischen. Im Laufe des Tages wollten sie mit einem Boot einen Ausflug auf eine Insel machen. In einen Kahn, der nur für 6 - 7 Personen ausgelegt ist, stiegen 8 Erwachsene und 11 Kinder ein. Auch der Proviant wurde in riesigen Isobehältern mitgeführt. Wahrscheinlich waren auch alkoholische Getränke dabei.

Bei der Überfahrt zur Insel ist das Boot gekentert. Es ist anzunehmen, dass der Bootsführer unter Alkoholeinfluss stand. Die Großmutter dieser Kinder war auch dabei. Wie schon gesagt waren alle Kinder aus nur einer Großfamilie.

Merkwürdig für die Flussbewohner ist, dass nicht ein einziger Erwachsener ertrunken ist. Unsere ganze Gemeinde war tief betroffen und hat sich sehr solidarisch gegenüber den Angehörigen der Kinder gezeigt. Unter den Opfern waren auch 2 Kinder aus der pfarreigenen Kindertagesstätte `St. Antonio´. Am Freitag werden wir alle einen `Solidaritätsgottesdienst´ feiern. Trotz des schrecklichen Ereignissen sende ich Euch herzliche Grüße

Euer Pater Wilhelm