Richter stoppt Bau von Wasserkraftwerk in Brasilien. Buenos Aires - Seit Jahren wird um das geplante Wasserkraftwerk Belo Monte im brasilianischen Amazonasgebiet gestritten, nun haben die Gegner einen kleinen Sieg errungen.

Ein Richter im nördlichen Bundesstaat Pará stoppte am Mittwoch fürs erste den Bau des Projekts, das am Rio Xingu bis 2015 zur drittgrößten Staustufe der Welt anwachsen soll. Anlass war eine Klage der Züchter und Exporteure von Zierfischen aus der Stadt Altamira. Das Urteil untersagt dem Konsortium Norte Energía bis auf weiteres jede Maßnahme, 'die den natürlichen Lauf des Rio Xingu verändert'. Vorläufig dürfen weder Hafen noch Staudämme und Kanäle gebaut werden, auch der Einsatz von Sprengstoff ist verboten. Wer gegen die Vorgaben verstößt, muss ein tägliches Bußgeld in Höhe von 200.000 Reaís entrichten, umgerechnet 80.000 Euro. Eingriffe in den Fluss, so die Begründung, würden die Lebensgrundlage der Fischer an den Ufern zerstören.

Damit verstärkt sich der Zwist um das teuerste Bauwerk Lateinamerikas. Die Regierung in Brasilia meint, Belo Monte sei unerlässlich für die Energieversorgung des boomenden Landes mit seinen 192Millionen Einwohnern. 11.000 Megawatt soll Belo Monte mit dem Wasser des Amazonas-Ablegers Rio Xingu produzieren, nur der Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse in China und die brasilianisch-paraguayische Koproduktion Itaipú sind noch kräftiger. Mindestens elf Milliarden Reáis, gut acht Milliarden Euro, darf das Monstrum kosten. Kürzlich rückten die Baumaschinen an. Aufträge bekamen unter anderem die Siemens-Tochter Voith Hydro und der österreichische Turbinenbauer Andritz.

Widersacher argumentieren, die Anlage verwüste einen der bedeutendsten Naturräume der Erde und treffe besonders Ureinwohner. Regenwald soll abgeholzt und auf einer Fläche von der Größe des Bodensees überflutet werden. 16.000 Menschen müssten umziehen, unter ihnen viele Indianer.

Zu den Kritikern gehören Ökologen und Menschenrechtler wie der Bischof von Xingu und alternative Nobelpreisträger Erwin Kräutler sowie der Regisseur James Cameron. Experten verweisen auch darauf, dass der Rio Xingu in mehreren Monaten des Jahres zu wenig Wasser führe. Und der Strom von Belo Monte komme weniger den Bewohnern zugute als Stahl- und Aluminiumwerken in Amazonien. Die brasilianische Umweltbehörde Ibama gab zwar nach einem zweifelhaften Prüfungsverfahren trotzdem ihre Genehmigung. Die Justiz von Pará indes folgt nun einem Teil der Beschwerden von Kritikern. Belo Monte, so das Gericht, sei eine Gefahr für Fischfang und Fischer.

Peter Burghardt
Süddeutsche Zeitung - 30.09.2011