Telefoninterview mit dem brasilianischen Energieexperten Sérgio Dialetachi zum Bau des Akw Angra 3.


 
Brasilien verfügt über zwei kommerziell betriebene Atomkraftwerke. Der Druckwasserreaktor Angra 1 mit einer installierten elektrischen Leistung von 626 MW ging 1982 ans Netz, Angra 2 (1275 MW) folgte im Jahr 2000. Seit 1975 bestehen Pläne zum Bau eines dritten Reaktors, doch wurde das Projekt 1986 nach nur zwei Jahren Bauzeit abgebrochen. Die bereits erworbene Technologie für Angra 3 liegt eingemottet in einer Halle und erfordert jährlich rund vierzehn Millionen Euro Lagerkosten.
 
Ein Vierteljahrhundert später hat der brasilianische Präsident Luiz Inázio Lula da Silva das Projekt wieder angeschoben. Angra 3 soll zu Ende gebaut werden, und die deutsche Bundesregierung könnte daran maßgeblichen Anteil haben. Denn sie hat einen Grundsatzentscheid zur Gewährung einer Hermes-Bürgschaft in Höhe von 1,3 Mrd. Euro getroffen und muss noch darüber befinden, ob die Bürgschaft zurückgezogen oder genehmigt werden soll.
 
Vergangene Woche war der Energieexperte und Atomkraftgegner Sérgio Dialetachi aus Brasilien nach Berlin gereist, um die Kampagne der Nichtregierungsorganisation urgewald für eine Rücknahme der Hermes-Bürgschaft zu unterstützen. Der Schattenblick führte am Freitag, dem 8. Juli 2011, ein Telefoninterview mit Herrn Dialetachi. Die Übersetzung aus dem Englischen erfolgte durch die SB-Redaktion.
 
 
Schattenblick: Würden Sie unseren Leserinnen und Lesern kurz die Atompolitik Ihrer Regierung darstellen und erklären, warum Ihrer Ansicht nach das Atomkraftwerk Angra 3 nicht weitergebaut werden sollte?
 
Sérgio Dialetachi: Brasilien braucht keine Kernenergie. Die vorhandenen beiden Meiler decken nicht einmal drei Prozent unserer gesamten elektrischen Energieerzeugung ab. Angra 3 brächte nur rund 1,2 Prozent mehr. Es wäre also eine riesige Investition für einen ziemlich geringen Anteil an der Stromproduktion.