Morde nehmen zu. Pro Tag werden in Brasilien 160 Menschen getötet. Damit ist das größte lateinamerikanische Land eines der 20 gewalttätigsten Länder weltweit. Zum Vergleich: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr "nur" 298 Mordopfer - weniger als ein Mord pro Tag.

Insgesamt starben im Jahr 2014 in Brasilien 58.559 Menschen aufgrund absichtlicher Gewaltanwendung. Fast fünf Prozent mehr als im Vorjahr, so die juengst veröffentlichten Daten des brasilianischen Forums für Öffentliche Sicherheit (Fórum Brasileiro de Segurança Pública). „Jedes Jahr haben wir diese absurd hohe Anzahl von Morden. Brasilien ist weit davon entfernt ein friedliches Land zu sein“, kritisiert der Politikwissenschaftler und Vize-Präsident des Forums, Renato Sérgio de Lima. Zunehmende gewalttätige Einsätze von Polizei und Militär trugen nicht unwesentlich zu dieser erschreckenden Statistik bei. Laut offiziellen Zahlen töteten die Sicherheitskräfte im vergangenen Jahr 3022 Menschen in Brasilien, 37 Prozent mehr als 2013.

 

Brasiliens gewalttätigster Bundesstaat ist derzeit Alagoas mit rund 62 Morden je 100.000 Einwohnern. Im Vergleich dazu ist Rio de Janeiro geradezu friedlich mit 30 Mordopfern je 100.000 Einwohnern. Brasiliens „sicherster“ Bundesstaat allerdings ist São Paulo mit „lediglich“ 10,3 tödlichen Gewaltopfern je 100.000 Bewohnern. São Paulo ist damit aber immer noch gefaehrlicher als die Kriegsregion Somalia, wo im Jahr 2013 knapp 9 Personen je 100.000 Einwohner aufgrund des Kriegs zu Tode kamen. Selbst der Irak scheint erheblich sicherer als São Paulo, Rio oder Alagoas zu sein. Laut Daten der deutschen Bundeszentrale für Politische Bildung in Bonn lag im Jahr 2013 die offizielle Zahl der Kriegsopfer im Irak bei 5,6 je 100.000 Einwohnern.

Brasiliens Gewaltstatistik wird noch aber noch weit erschreckender zaehlt man die verschwundenen Personen hinzu, die nicht in der Mordstatistik auftauchen. Daten des Justizministeriums in Brasilia zufolge verschwinden sage und schreibe 22 Personen pro Stunde im Brasilien. Insgesamt verschwanden von 2004 bis 2014 rund zwei Millionen Menschen zwischen Zuckerhut und Amazonien, 200.000 Menschen pro Jahr. Etwa 40.000 der jaehrlich vermissten Personen seien Kinder.

Norbert Suchanek, Rio de Janeiro