Brot im Tank -
Palmöl bald Bedrohung für brasilianischen Amazonas-Regenwald?

Palmöl kommt jetzt auch in Brasilien in Mode. Schon in wenigen Jahren dürfte die Anbaufläche um das Hundertfache steigen. Palmöl: die nächste grosse Bedrohung für die Regenwälder am Amazonas.
Noch spielen Palmölplantagen im Amazonas-Becken eine rudimentäre Rolle. So liegt Brasilien, wo im vergangenen Jahr 110'000 Tonnen Palmöl hergestellt wurden, weit hinter den Leadern Indonesien (19,7 Millionen Tonnen) und Malaysia (17,4 Mio. To) zurück. Doch das könnte sich schon bald ändern. Sehr bald, befürchten Rhett A. Buttler vom Forschungsinsitut Mongabay und William F. Laurance vom Tropenforschungsinstitut in Ancon, Panama in einem im Online-Journal Tropical Conservation Science (www.tropicalconservationsscience.org) veröffentlichen Artikel. Danach verfügt Brasilien mit einer potenziellen Anbaufläche von 2,283 Millionen Quadratkilometern über die mit Abstand grössten Land-Ressourcen für den Anbau von Palmöl-Plantagen. Indonesien etwa bringt es auf nur 617'000 Quadratkilometern. Als ideal gelten Tiefland-Regenwaldflächen, wobei die Ölpalmen auch mit einem ausgesprochenen sauren Boden noch gut zurechtkommen, wo andere Kulturpflanzen kapitulieren. Die politischen und wirtschaftlichen Weichen sind für eine Ausweitung der Plantagen in Brasilien bereits gestellt. So soll mit einer Gesetzesnovelle Palmöl-Plantgen der Status eines bewirtschafteten Waldes verliehen werden. Dabei, so Butler und Laurance, sind solche Plantagen bezüglich Artenvielfalt nicht einmal im Ansatz mit einem tropischen Regenwald vergleichbar. Und auch den Zusicherungen der brasilianischen Regierung, dass Bewilligungen nur für degradierte Waldflächen erteilt werden sollen, schenken sie nur wenig Glauben. Selbst wenn diese Bestimmng eingehalten würde, sei damit zu rechenen, dass der Druck auf die anderen Agrarsektoren, vor allem Weide- und Farmland, stark zunehmen dürfte. Am lukrativsten sei es indes, den Wald gleich zu roden. Mit den Profiten aus dem Holzverkauf kann die aufwendige und erst nach drei bis fünf Jahren Erträge abwerfende Palmölplantage angelegt werden. Derweil stehen die potenziellen Investoren, vor allem aus Ostasien, schon Schlange. In den kommenden Jahren soll die brasilianische Palmöl-Anbaufläche von derzeit 60'000 Hektaren um den Faktor 100 gesteigert werden: auf 6 Millionen Hektar - die anderthalbfache Fläche der Schweiz.

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