Bauern im Amazonas haben erkannt, dass es günstiger ist Land zu verkaufen, als Kühe zu hüten. Deshalb roden sie den Amazonas, um so neue Landrechte zu erwerben.

Die bekommt nach Brasilianischem Gesetz, wer den Zustand ausgewiesener Amazonasgebiete "verbessert".


Es ist eine immer wieder kehrende Wiederholung: Arme Bauern aus dem Süden Brasiliens suchen ihr Heil im nordwestlichen Bundesstaat Amazonas. Um Landrechte zu erwerben, roden sie den Regenwald. Und wenn sie dann die Rechte anerkannt bekommen haben, verkaufen sie das erworbene Terrain an Großgrundbesitzer weiter.

Seit den frühen neunziger Jahren hat sich die Einwohnerzahl der 54,240 km² großen Gemeinde Apuí entlang der Transamazonischen Autostraße verdreifacht. Gleichzeitig wird in der Gemeinde die höchste Entwaldungsrate im größten brasilianischen Bundesstaat Amazonas verzeichnet. Etwa 90 Prozent des Waldgebiets um Apuí wurde so inzwischen in Weideland umgewandelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Situation im Umfeld von Apuí untersucht hat.  "Die Familien ziehen immer weiter, um neue Waldstücke zu roden und die Besitzrechte zu beanspruchen. Nach einigen Jahren verkaufen sie das Land zu einem deutlich höheren Preis weiter", sagte Gabriel Carrero, einer der beiden Autoren der Studie und Wissenschaftler am Institut für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung des Amazonas (IDESAM).

Nach brasilianischem Recht fallen denjenigen Landrechte zu, die den Zustand ausgewiesener Amazonasgebiete "verbessern", auf die bis dahin niemand einen Besitzanspruch erhoben hat. Die Familien, die unberührten Wald rodeten, wollten damit lediglich ihre bescheidenen Lebensverhältnisse verbessern, erklärte Carrero. Die Viehzucht wirft jedoch nicht genug ab, heißt es in der Untersuchung, die sich auf Befragungen von 83 Familien stützt. Weitaus lukrativer sind die Geschäfte mit reichen Großbauern, die in der Amazonasregion große zusammenhängende Gebiete zu erwerben versuchen.  Carrero zufolge haben die kleinen Landarbeiter verstanden, dass vor allem Grundstücke entlang neu angelegter Straßen Gewinne bringen. "Unsere Studie belegt, dass der Straßenbau die Entwaldung maßgeblich vorantreibt."

Global betrachtet führt Entwaldung zum Ausstoß von jährlich rund 2,9 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Dies geht aus der ersten detaillierten Statistik hervor, die Mitte Juli in dem Fachmagazin 'Science' veröffentlicht wurde. Die durch den Waldschwund freigesetzten Klimagase seien viel höher als bisher angenommen, warnte Pep Canadell vom unabhängigen 'Global Carbon Project' in Australien und Mitautor der im Juni im Wissenschaftsmagazin 'Science' publizierten Studie. Die jährlichen Emissionen durch den Einsatz fossiler Brennstoffe und die Herstellung von Zement liegen bei knapp acht Milliarden Tonnen.