Wem gehört rechtlich der Cerrado?
Die Landrechtsfrage ist eine große ungelöste Frage. Es ist noch nicht entschieden, wer der wirkliche Landbesitzer von Piauís Cerrado-Flächen ist. Viele Kämpfe werden ausgefochten zwischen Einheimischen und Grileiros (Landräubern), die als angebliche Landbesitzer in den Cerrado eindringen. Die Grileiros sind bewaffnet und bilden regelrechte, die lokale Bevölkerung bedrohende Milizen, und oft nehmen sie sich das Land mit Gewalt.
Welches sind die Hauptbedrohungen des Cerrado heute?
Die größte Bedrohung ist die Soja-Produktion, angetrieben vom multinationalen Konzern Bunge, der zudem durch Kahlschlag erzeugtes Feuerholz als Energieversorgung der Soja-Verarbeitungsfabriken einsetzt. Zweitens das Agrarspritfieber und die Firma Brasil Ecodiesel. Drittens die Ausbeutung der Diamantenvorkommen, und die jüngste Bedrohung ist der Zellulose-Konzern, Suzano Papel Celulose, der jetzt großflächige Eukalyptusmonokulturen anlegt. Hervorzuheben ist auch die Zunahme der Produktion von Holzkohle aus dem Cerrado für die Stahlhütten.
Holzen diese Firmen den Wald legal oder illegal ab? Halten sich die Unternehmen an das Waldschutzgesetz, den so genannten Código Florestal?
Die Regierung erleichtert die Umweltschutzgenehmigungen für die großen Unternehmen. Im Falle des Cerrado ist es hier erlaubt 70 Prozent des eigenen Flächen abzuholzen, und nur 30 Prozent muss geschützt werden. Doch in der Praxis existiert nicht mal dieses Limit, weil die staatliche Kontrolle unzulänglich ist. So hat kürzlich ein Soja-Produzent 12.000 Hektar im Herzen des Cerrado komplett abgeholzt.
Wie kommen diese Unternehmen praktisch an diese Gebiete heran. Verteilt die Landesregierung die Flächen quasi kostenlos an sie?
Die Mehrzahl der Flächen werden von der Regierung wie Geschenke an die Firmen vergeben, mit dem Argument, die Unternehmen schüfen Arbeitsplätze und Einkommen.
Was kann man tun, um dem Cerrado und seiner einheimischen Bevölkerung zu helfen?
Nicht die Produkte der Firmen konsumieren, die mit der Zerstörung des Cerrado zu tun haben, und kompetente, mit den Ursachen vertraute Politiker wählen.
Zurück zu den Überschwemmungen: Braucht die betroffene Bevölkerung Hilfe von anderen?
Alle Menschen Piauís sind solidarisch und helfen, wenn sie können. Und die Leute schenken Nahrungsmittel, Kleidung, Matratzen: Kleine Aktionen zusammengenommen erzeugen große Resultate.
Danke für das Gespräch.
Das Umweltnetzwerk von Piauí (REAPI) wurde 2006 gegründet, um die verschiedenen lokalen Umweltschutz- und Menschenrechtsgruppen zu vereinigen. Aktuelle sind 42 Organisationen in REAPI zusammengeschlossen. Hauptaktionen des Netzwerks sind die Verteidigung des verschiedenen Waldökosysteme des Landes, Cerrado, Caatinga und Atlantischer Regenwald gegen die großen, zerstörenden Projekte: Soja-Produktion, Tourismus-Komplexe, Agrospritplantagen, Holzkohleproduktion für die Stahlhütten und Staudämme.
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro, Mai 2009

 

 

Die neue Ausgabe der von der Brasilieninitiative herausgegebnen BrasilienNachrichten Nr.139  beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Cerrado. (www.brasiliennachrichten.de)