"Diesmal rettet uns keine Arche" Leonardo Boff kritisiert Wachstumsideologie.
Von Daniela Pastrana
Mexiko-Stadt, 29. Dezember (IPS) - Der katholische Theologe und Philosophieprofessor Leonardo Boff ist überzeugt: Nicht CO2-Emissionsrechte, die Umweltverschmutzer belohnen, sondern ein neues, ethisch begründetes Verständnis für die Natur bietet den Ausweg aus dem Teufelskreis von Wachstumsideologie und Umweltzerstörung.
"Entweder wir retten uns oder wir gehen zu Grunde. Eine Arche wird es diesmal nicht geben", warnte der Brasilianer im IPS-Interview, der 2001 für sein Engagement für Menschenrechte und Umweltschutz mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden war.
Skeptisch, aber nicht ohne Zuversicht beurteilte Boff die Ergebnisse der jüngsten UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún. Er betonte: "Bei aller spürbaren Enttäuschung konnte man sich doch in drei Punkten einigen: Auf die Zusagen, dafür zu sorgen, dass die Erderwärmung um nicht mehr als zwei Grad ansteigt, und den vom Klimawandel am schwersten betroffenen Ländern mit einem 30 Milliarden US-Dollar starken Klimafonds bis 2012 zu helfen. Außerdem soll zum Schutz der Wälder vor Abholzung und anderen Schäden ein weiterer Fonds eingerichtet werden."
Der weltweit angesehene, 72-jährige Aktivist zeigte Verständnis für Bolivien, das sich in Cancún als einziges Land von diesen Zusagen distanziert hatte. "In Bolivien wird die Erde als Gottheit, 'Pacha Mama', verehrt, als Leben spendender Organismus, den man behütet und nicht etwa ausbeutet, indem man durch den Handel mit CO2-Emissionen das Recht auf Umweltverschmutzung erwirbt", erklärte er.
"Für die mächtigen Gesellschaften ist die Erde ein nützliches Produktionsmittel, ein unbegrenzter Schatz von Ressourcen. Weil sie knapp werden, geht man inzwischen zwar nachhaltig mit ihnen um, doch es fehlt der Respekt vor den Lebewesen und deren Recht und Würde", kritisierte Boff. "Davon war weder in Cancún noch auf den vorherigen Klimakonferenzen die Rede."