Killerbakterien an Rios SträndenWenige Wochen vor den olympischen Spielen warnen brasilianische Wissenschaftler vor multiresistenten Keimen im Wasser von Rios populären Stränden.

Ob Copacabana, Ipanema, Leblon, Botafogo oder Flamengo: Praktisch alle Stadtstrände der Olympiastadt 2016 seien mit einem aus Krankenhäusern stammendem Killerbakterium belastend. Dies zeigt eine vergangenen Donnerstag veröffentlichte Studie von Rios staatlicher Universität (UFRJ).

Die Wissenschaftler untersuchten Wasserproben, die zwischen 2013 und 2014 entnommen wurden und konnten darin überall das Vorhandensein von gefährlichen multiresistenten Klebsiella-Bakterien, kurz KPC genannt, nachweisen. "Die Anzahl dieser in Krankenhäusern verbreiteten Superbakterien im Meersollte Null sein. Ihre Präsenz and Rios Stränden stelle deshalb ein gravierendes Problem der öffentlichen Gesundheit dar", erläutert UFRJ-Wissenschaftler Rafael Duarte. Der Mikrobiologe und Mediziner macht das direkte oder indirekte Einleiten von Krankenhausabwässern dafür verantwortlich und geht davon aus, dass die Situation auch heute noch dieselbe wie vor zwei Jahren ist, als die Proben gezogen wurden. Auch die Koordinatorin der Studie, Renata Picão vom Mikrobiologischen Institut der UFRJ sieht dies nicht anders. Aufgrund der weiterhin mangelnden Abwasserentsorgung in Rio gebe es keine Anzeichen dafür, dass die Killermikroben nicht mehr im Wasser der Guanabara-Bucht und vor den Stränden vorhanden sind.

Das Bakterium Klebsiella pneumoniae ist normalerweise für den Menschen ungefährlich und kommt in erster Linie im Darm sowie im Mund vor. Doch resistent gegen Antibiotika kann es tödlich sein. Es kann schwere Erkrankungen wie Harnwegs- und Lungenentzündung sowie Blutvergiftung verursachen, die in vielen Fällen tödlich verlaufen. Kein Antibiotikum kann den multiresistenten Keimen etwas anhaben, nicht einmal die Gruppe der Carbapeneme, die als eine Art letzte Bastion im Kampf gegen schädliche Bakterien galten.

Diese möglicherweise durch unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika genetisch veränderten Klebsiella-Bakterien, die das Enzym Carbapenemase zum Schutz gegen Carbapeneme bilden, traten erstmals 1996 in einem Krankenhaus in New York auf. "Von dort verbreiteten sich diese Carbapenemase bildenden Klebsiella pneumoniae schnell in weiteren Krankenhäusern der Stadt und des Umlandes von New York. Es folgten Berichte über Nachweise aus Südamerika, China, Israel, Frankreich und Griechenland und in 2008 erstmalig auch aus Deutschland", so das Robert Koch-Institut in Berlin. KPC bildende Klebsiella pneumoniae sind inzwischen in vielen Ländern der Welt existent, so auch in Brasilien.

Bereits 2014 alarmierte eine Untersuchung des Oswaldo Cruz Institutes in Rio de Janeiro. Sie wiesen KPC-Bakterien an drei Stellen des zur Kloake verkommenen Carioca-Flusses nach, der beim Flamengo-Strand just dort in die Guanabara-Bucht mündet, wo jetzt im August die olympischen Segel-Regatten stattfinden sollen.

Die schlimmsten Schlagzeilen allerdings machten die multiresistenten Keime in Brasilien allerdings vier Jahre zuvor. Im Jahr 2010 starben in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia 18 Menschen an den Folgen einer Infektion mit den Carbapenemase bildenden Klebsiella pneumoniae-Bakterien, und Mediziner warnten vor einer landesweiten Epidemie. "Wir sind beunruhigt über die wachsende Geschwindigkeit, mit der die Fälle auftreten", sagte die Verantwortliche für Krankenhausinfektionen der Universität von São Paulo. Es sei anzunehmen, dass der resistente Keim schon in anderen Regionen Brasiliens verbreitet ist.

Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

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