200 Gruppierungen organisieren bis zum kommenden Wochenende über 600 Events. Klare Position gegen Konzept einer "Grüne Ökonomie"

Rio de Janeiro. Vertreter sozialer Bewegungen und von Umweltschutzorganisationen haben in Rio de Janeiro am Freitag den Gipfel der Völker [2] eingeleitet. Die internationale Konferenz findet im Vorfeld und parallel zum offiziellen Rio+20-Gipfel der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) statt. Auf beiden Treffen werden aus unterschiedlichen Perspektiven die zunehmende Krise des Umweltschutzes, der Wirtschaft und der globalen Sozialentwicklung debattiert.

Auf dem Gipfel der Völker wollen die Aktivisten in erster Linie die Ursachen der Bedrohung von Umwelt und sozialer Ordnung diskutieren. Auch das Konzept einer "Grünen Ökonomie", das vor allem von westlichen Staats- und Regierungschefs auf der offiziellen UNO-Konferenz verteidigt werden wird, steht in der Kritik der Basisorganisationen.

Bis zum 23. Juni werden voraussichtlich 30.000 Vertreter von sozialen und ökologischen Bewegungen aus allen Teilen des Planeten an dem alternativen Gipfel der Völker teilnehmen. Das Basistreffen wird in dem Flamengo-Park im Süden von Rio de Janeiro ausgerichtet, insgesamt sind nach Angaben der Organisatoren mehr als 600 Einzelveranstaltungen geplant.

Am ersten Tag des Gipfels der Völker waren am Freitag 200 soziale und ökologische Organisationen eingeschrieben. Die Teilnehmer kommen dabei aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Neben Frauenorganisationen nehmen an dem Gipfel unter anderem indigene Bewegungen, afroamerikanische Aktivisten, Umweltschützer und religiöse Gruppen teil.

Einer der Organisatoren des Gipfels der Völker, Ivo Lesbaupin, kritisierte nach Angaben der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina schon im Vorfeld die zu erwartenden Ergebnisse der offiziellen Rio+20-Konferenz. Von dem UNO-Treffen seien keine nachhaltigen Lösungen zur Rettung des Planeten zu erwarten, sagte der Aktivist auf einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro: "Eine unserer Intentionen ist daher eine kritische Analyse falscher Lösungsansätze wie der sogenannten Grünen Ökonomie und der aktuell dominanten Strategien gegen die Umweltkrise", so Lesbaupin.

Unter dem Motto "Bei Rio+20 für soziale und ökologische Sicherheit" werden vor diesem Hintergrund über die gesamte kommenden Woche hinweg in Rio Debatten, Treffen, Konzerte und Demonstrationen stattfinden. Geplant ist unter anderem auch eine Protestaktion in der Gemeinde Villa Autódromo im Osten der brasilianischen Metropole, die von den Baumaßnahmen für die 2016 bevorstehenden Olympischen Spiele bedroht ist. Die Aktion soll am 20. Juni stattfinden, dem ersten Tag des offiziellen UNO-Gipfels.

Dieser Artikel ist Teil eines Dossiers [3]: Rio+20-Gipfel – Meldungen und Hintergründe zur Konferenz und dem Gegengipfel in Rio de Janeiro.

Das Nachrichtenportal amerika21.de wird in Zusammenarbeit mit dem Pressedienst Poonal [4] aktuell über den Rio+20-Gipfel und den alternativen Gipfel der Völker berichten.

Christian Kliver, amerika21.de