Günter Kromer ist tot. Er starb am 17.7. um 23.50 Uhr im Krankenhaus von Lajeado an einer akuten Lungenerkrankung.

Geboren 1939 in Schlesien, fand er nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Wien sehr schnell den Weg nach Brasilien. Dort wurde er Ende der 60er Jahre zum Priester geweiht und 1978 kam der fortschrittliche Indianermissionsrat CIMI auf ihn zu mit der Bitte, sich um des von der Ausrottung bedrohten indigenen Volkes der Suruwaha anzunehmen. Gemeinsam mit anderen Weggefährten gelang es ihm dann 1980 für das Volk der Suruwaha die Demarkation ihres Gebietes zu erstreiten und damit deren Überleben zu sichern. Er lernte deren Sprache und lebte fortan mit ihnen, er verband seine christliche Glaubenserfahrung mit dem religiösen Leben dieses indigenen Volkes. Diesen interkulturellen Aspekt gab er auf Fortbildungen weiter. In den Folgejahren engagierte er sich für weitere indigene Völker: Jarawara, Apurinã, Paumari, Deni und Jamamadi.
In den letzten Jahren beschäftigte sich Günter mit der Erfassung der mehr als 60, noch isoliert lebenden indigenen Völkern in Amazonien. Hierbei war ihm kein Weg zu mühsam: tagelange Fahrten auf Flüssen, Fußmärsche entlang schmalster Wege, er nahm dies alles in Kauf, um in entlegenste Gebiete zu kommen, Informationen zu sammeln und Zeugen der Ereignisse zu finden: Abholzung, illegale Inbesitznahme des Bodens, Bedrohung durch bezahlte Killer (pistoleiros) - all dies kennzeichnet die Situation der Indigenen.
Ausgestattet mit entsprechenden Informationen forderte er von den staatlichen Behörden den Schutz der indigenen Territorien, klagte die Zerstörung durch Großprojekte an. Daher ist es folgerichtig, dass Günter ein Verfechter der Befreiungstheologie war und versuchte, die Basisgemeinden zu stärken.
Mit Günter Kromer verlieren die indigenen Völker einen wichtigen Anwalt ihrer Rechte und Interessen. Sie – wie auch wir – werden das Andenken an ihn in Ehren halten.

Günther Schulz für die Brasilieninitiative Freiburg e.V.