Offizielle Erklärung des durchführenden Komitees der brasilianischen Zivilgesellschaft für Rio+20 (CFSC - Comitê Facilitador da Sociedade Civil Brasileira para a Rio+20) zur Teilnahme an den “Dialogen für Nachhaltige Entwicklung“ , das von der brasilianischen Regierung organisierte Vorbereitungstreffen zur offiziellen Rio+20 - Konferenz

Angesichts der Einladung der brasilianischen Regierung an das Komitee der brasilianischen Zivilgesellschaft für Rio+20 (CFSC), um an den Dialogen für Nachhaltige Entwicklung (Diálogos para o Desenvolvimento Sustentável – DDS) vom 16. bis 19. Juni 2012 teilzunehmen, verkünden wir folgendes:

Die Netzwerke und Institutionen, die sich im Komitee zusammenfinden und den People's Summit während der Rio+20-Konferenz für soziale und ökologische Gerechtigkeit im Laufe der letzten Jahrzehnte organisiert haben, setzten und setzen sich in der Gegenwart für die Teilnahme an öffentlichen Räumen für Debatten und Diskussionen ein. Dies tun sie mit dem Ziel, Demokratisierungsprozesse im sozialen und ökologischen Bereich wie auch in der Verteilung des Einkommens und des Reichtums der Bundesstaaten zu fördern.

Durch die soziale Partizipation und den Dialog zwischen Regierung und Zivilgesellschaft haben wir wichtige, wenn auch erst kleine Siege in den historischen Forderungen der Völker im Kampf gegen Ungleichheiten errungen. Dementsprechend wählen wir den Dialog als eine der fundamentalen Methoden, um mit unseren Forderungen voranzukommen. Wir werden weiterhin Dialoge führen, um Druck auf die Regierung auszuüben, damit sie unseren Forderungen gerecht wird.

Nach unserer Einschätzung bringt die etablierte Strategie „Dialoge für Nachhaltige Entwicklung“ (DDS) nicht die Diskussionsdynamik, die wir versuchen voranzutreiben. Die Idee der „Dialoge für Nachhaltige Entwicklung“ wurde von oben nach unten durchgesetzt, wobei die brasilianische Regierung die Themen, Teilnehmer und Vermittler (Moderatoren) auswählen kann und somit in einer eindeutigen Form die Gespräche und ihre Ergebnisse kontrollieren wird.

Uns ist bewusst, dass die diskutierten Themen konfliktreich sind und sehr heterogene Ansichten präsentieren. Eine Methode, deren Ziel es ist, drei Empfehlungen pro Thema zu definieren und bei der diese darüber hinaus in geschlossener Form gewählt werden, wird zum Ausschluss abweichender Meinungen führen. Und dies in einem Umfeld, wo wir nicht über wirksame Mechanismen zur Beeinflussung des Entscheidungsfindungsprozess verfügen.

Der (parallel zur Rio+20-Konferenz stattfindende) People's Summit für soziale und ökologische Gerechtigkeit ist ein autonomer Raum, der sich kritisch zum Programm der offiziellen Konferenz und der Konzerne positioniert. Wir haben Gegenpositionen und verfügen über Vorschläge zu allen Themen der „Dialoge für Nachhaltige Entwicklung“, die die Zusammenkunft von brasilianischen sowie internationalen Organisationen und sozialen Bewegungen, welche für Rechte, ökologische Gerechtigkeit und gegen Ungleichheit in Brasilien sowie weltweit kämpfen, zum Ausdruck bringt.

Aus den hier dargelegten Gründen werden wir nicht an den „Dialogen für Nachhaltige Entwicklung“ teilnehmen. Wir werden unsere Ansichten mithilfe aller möglichen Kommunikationsmittel bekannt und hörbar machen. Wir hoffen, dass so die Stimmen und Vorschläge der Völker, die beim People's Summit repräsentiert sein werden, von der Gesellschaft und den Regierungschefs gehört werden.

Komitees der brasilianischen Zivilgesellschaft für Rio+20

Rio de Janeiro, 2. Mai 2012