Ein Seemann im Rollstuhl wollte verhindern, dass der Industriegigant Thyssen-Krupp ein Werk in Brasiliens Boden stampft. Heute muss der Fischer im Exil leben. In seiner Heimat tobt der Konflikt

Dem Fischer Luís Carlos Oliveira ist das Meer gestohlen worden. Er hängt fest in seinem Versteck, er bohrt Kokosnüsse auf, er knüpft Netze, er kehrt abends in die möblierte Wohnung zurück, die ihm das Menschenrechtsministerium zahlt, seit ein Mann ihn mit der Pistole bedroht hat. Netterweise haben ihm die Leute vom Schutzprogramm einen Küstenort ausgesucht. Aber der liegt weit weg von seinem Zuhause in Santa Cruz im Westen von Rio de Janeiro, wo er Thyssen-Krupp herausgefordert hat, dieses Unternehmen von der anderen Seite der Welt. Er kann nicht mehr raus zum Fischen in die Sepetiba-Bucht, und ein Meer, das man nur anschauen kann, ist nichts für Luís Carlos Oliveira, denn er hat es sich von klein auf erkämpfen müssen.

Vom Wasser her weht ein kühler Wind, aber die Sonne scheint, Oliveira trägt T-Shirt und Shorts. Ein 61 Jahre alter Mann, Brille, die Haare hat er dunkelbraun gefärbt, seine muskulösen Arme fallen auf. Und der Rollstuhl.

Er ist gegen den Konzern aus Deutschland angetreten, der nach Brasilien ging, um Eisenerz gleich dort, wo es vorkommt, zu Stahl zu kochen. Und um den Stahl dann nach Deutschland und die USA zu schaffen, wo die verarbeitende Industrie sitzt. Ein Globalisierungsprojekt: Der Norden bedient sich beim Süden, Reiche bei Armen.