»Die Krawatten kommen, um unsere Tiere zu jagen«, sagt Ozimár, der ausgestreckt im Sand liegt.

»Sie holen unsere Töchter«, sagt ein anderer, der ein Trikot des Fußballklubs Flamengo trägt, und die etwa 30 Männer, die sich in der Mittagshitze unter dem Baum versammelt haben, nicken schläfrig. Einige haben sich mit der Urucum-Frucht rote Streifen ins Gesicht gemalt, die Kriegsbemalung ihrer Vorfahren, aber sie wirken seltsam unbeteiligt, lethargisch.

»Glaubt ihr also, dass es stimmt, was die Regierung sagt?«, fragt Renata Pinheiro. »Stimmt es, dass man euch nicht anhören muss?«

Die Männer murmeln leise.

Plötzlich hat der Dorfälteste ein größeres Boot als alle anderen

Niemand hier glaubt, dass Paquiçamba nicht betroffen sein werde vom Bau des Damms. Die Camps der Arbeiter befänden sich außerhalb ihres Gebiets, sagen die Politiker. Der Fluss bleibe erhalten, auch wenn er kaum noch Wasser mit sich führe. Es sei nicht nötig, jemanden zu schicken, um die Juruna anzuhören.

Aus der Sicht von Ozimár ist das eine formale Argumentation, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Natürlich sei das Territorium betroffen. Weder Ozimár noch irgendjemand anders glaubt daran, dass er 2015, wenn der erste Teil des Kraftwerks in Betrieb geht, noch in Paquiçamba leben wird. »Es wäre unser Ende«, sagt Ozimár.

In der Hauptstadt Brasília gibt es Leute, die meinen, dass die Juruna keine Indianer mehr seien, sondern Weiße. Das würde bedeuten, dass die Indianerrechte für die Juruna nicht zu gelten hätten. Diese Leute glauben, dass ein Gericht das Dorf enteignen könnte, im Interesse der Nation, so wie die Gerichte auch all jene Bauern im Gebiet der Senke enteignen, die sich weigern, wegen des Kraftwerks Belo Monte ihre Felder aufzugeben.

Der neue Chef des brasilianischen Umweltamtes verriet die wahren Absichten durch ein Versehen. Er hatte einem australischen Fernsehteam gerade ein Interview gegeben, und er merkte nicht, dass die Kamera noch lief, als er erklärte, dass Brasilien mit seinen Indianern so verfahren werde wie Australien mit seinen Aborigines.

Es ist ein eigenartiger Zynismus. Von Paquiçamba aus betrachtet, keine 15 Kilometer Luftlinie entfernt von den anrollenden Baggern, wirkt der Verfassungstext von 1988 wie ein Unfall der Geschichte. Er wirkt wie ein Missverständnis aus den Tagen, als Brasilien noch glaubte, genug Raum zu haben, um sich die Anerkennung einer Minderheit leisten zu können. Niemand ahnte damals, dass es ein Problem sein könnte, wenn irgendwo im Urwald hundert Mann auf einer Erzader sitzen oder am Ufer eines Flusses.