Seit Anfang Juli walzen die ersten Planierraupen über die Transamazônica. Männer in orangefarbenen Overalls teeren den roten Lehm auf dem Wegstück zwischen Altamira und dem künftigen Staudamm, über das jetzt immer mehr Bagger, Lastwagen und Kräne rollen. An Kilometer 48 entsteht ein Pionierlager. Metallisch schimmernde Zelte werden dort errichtet, darin die Büros, die Betten für die erste Welle von Arbeitern. 300 kommen jede Woche hinzu, irgendwann werden es 20.000 sein, »auf der größten Baustelle Brasiliens«, sagt Luiz Fernando Rufato, Diretor de Construção, »wenn nicht sogar der Welt«.

Rufato ist der Bauherr, bei ihm läuft alles zusammen. Er sitzt im Vorstand eines Konsortiums, das sich Norte Energia nennt und angeführt wird von den staatlichen Energiefirmen Elektronorte und Elektrobras. Sein Büro liegt in einer Art Baracke, am Eingang steht ein Mann mit einer Waffe.

Über Rufatos Bauch spannt sich ein lehmverschmiertes Polohemd. Wenn man ihn nach seinem Alter fragt, dann sagt er, dass er das Leben nicht in Jahren messe, sondern in Megawatt. 15.000 hat er installiert. Zuletzt hat er das Kraftwerk in Balbina in den Regenwald gesetzt, davor war er in Tucuri. Er führt das Leben eines Baustellennomaden, das die Haare früh ergrauen ließ.

»Ist alles ziemlich viel«, sagt er.

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Gestern war er in Brasília, der Transportminister und 15 seiner Mitarbeiter waren plötzlich zurückgetreten, Korruption. Danach hieß es, dass alle Bauvorhaben eingefroren würden. Rufato eilte hin, in Sorge, dass er in Verzug geraten werde. »Tu mir das nicht an«, bat Rufato den neuen Mann im Ministerium, und der versprach ihm, alles schnell zu regeln. Rufato lächelt. »Ein Freund von mir«, sagt er. »Wir waren schon zusammen in Tucuri.«

Dann beginnt Rufato einen langen Vortrag über den Sinn der Wasserkraft. Brasilien, sagt er, habe heute eine installierte Leistung von 110.000 Megawatt. Lege die Wirtschaft weiter so zu wie bisher, würden im Jahr 2020 rund 160.000 gebraucht.