Im Mai 2008 trat sie als Umweltministerin Lulas zurück. Jetzt will die Grüne
Marina Silva Nachfolgerin des brasilianischen Staatschefs werden.

von Gerhard Dilger


PORTO ALEGRE taz | Knapp sieben Jahre nach dem ersten Wahltriumph des
früheren Metallgewerkschafters Luiz Inácio Lula da Silva, ist die Hoffnung
in die brasilianische Politik zurückgekehrt. Sie ist weiblich und trägt -
wie der Staatschef - den Nachnamen Silva. Maria Osmarina da Silva Vaz de
Lima will im kommenden Jahr die erste Präsidentin Brasiliens werden.

Fast zerbrechlich wirkt die 51-Jährige mit den dunklen Ringen um die Augen,
der hohen Stimme und dem Haarknoten. Doch der erste Eindruck trügt: Marina
Silva ist für ihre Ausdauer bekannt, und sie zählt zu den integren
PolitikerInnen des Landes. Seit 1994 sitzt die frühere Gummizapferin und
Mitstreiterin des Regenwald-Märtyrers Chico Mendes für die linke
Arbeiterpartei PT im brasilianischen Oberhaus - mit einer Unterbrechung von
knapp fünfeinhalb Jahren, als sie unter Lula Umweltministerin war.

Anfang 2008 rechnete sie die englische Tageszeitung "Guardian" zu den 50
Menschen, "die dabei helfen können, den Planeten zu retten". Und das, obwohl
sie bereits innerhalb von Lulas Mitte-Links-Regierung immer stärker an den
Rand gedrängt wurde. Vier Monate später erklärte Marina ihren Rücktritt mit
den Worten: "Es ist besser, den Job zu verlieren als den gesunden
Menschenverstand."