Sind die Folgen des Genmais-Anbaus schon genug erforscht?
Wir wissen noch viel zu wenig darüber. Aber was wir aus der Erfahrung des vor zehn Jahren begonnenen Anbaus wissen, ist, dass die Erträge geringer sind als vorher, die Kosten langfristig steigen, mit der Folge, dass viele Kleinbauern aufgeben. Sie aber produzieren immer noch die meisten Lebensmittel auf der Welt. Unterm Strich produzieren wir durch den Einsatz mehr hungernde Menschen und nicht weniger, wie die Chemieindustrie stets behauptet. Meine Heimat Brasilien liefert ein deutliches Beispiel: von 180 Millionen Menschen leiden dort 40 Millionen an Hunger. Vorteile habe nur die großen Betriebe, die auf Monokulturen wie Mais, Soja und Raps setzen.
Ist eine moderne Landwirtschaft ohne Gentechnik möglich?
Eine moderne Landwirtschaft ist nicht mehr von fossiler Energie abhängig, sie macht es möglich, die Flächen chemiefrei zu bewirtschaften. Dazu benötigen wir Pflanzen, die in der Fruchtfolge resistent werden gegen Schädlinge und Unkraut. Wir müssen das natürliche Gleichgewicht wieder herstellen. Die ökologische Landwirtschaft ist für mich eine moderne Landwirtschaft.
Wie schätzen Sie den Nutzen für die Landwirte ein, die genveränderte Saat einsetzen?
Nur in den ersten Jahren haben die Landwirte einen spürbaren finanziellen Nutzen. Doch mit den erhobenen Lizenzgebühren und dem wachsenden Einsatz von Pestiziden steigen auch die Betriebskosten. Die Erträge sinken. Die einzige Chance, diesem Wettlauf zu entkommen, ist, dass die Landwirte auf die Vergrößerung ihrer Flächen setzen. Nur die Großbauern, die Flächen kaufen, profitieren. Die Kleinbauern bleiben auf der Strecke.
Kritiker dieser Entscheidung befürchten, dass das Verbot Nachteile für den Standort Deutschland mit sich bringt. Teilen Sie diese Skepsis?
Für mich ist interessant, dass dies von den Befürwortern nun als Argument angeführt wird. Vor dem Verbot war die Begründung anders. Dort war davon die Rede, dass die Bauern gentechnisch veränderte Pflanzen nutzen müssen, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen. Die ökologischen Probleme seien nicht nachvollziehbar, hieß es immer, die Ängste der Verbraucher unbegründet. Jetzt geht es um den Erhalt der Chemieindustrie. Ich halte es für undemokratisch, wenn Unternehmen Vorteile erlangen, während die Gesellschaft nur Nachteile hat. Durch die Agro-Gentechnik ist es maximal möglich, die jetzigen Arbeitsplätze zu erhalten. Wenn man die Erzeugung nachhaltiger Energie in der Landwirtschaft voranbringen würde, könnten dort viele neue Arbeitsplätze entstehen. Die Gesellschaft muss sich fragen, ob man weiter von der Industrie abhängig sein will.
Sie berichten in ihren Vorträgen über die Erfahrungen in ihrer Heimat Brasilien mit dem Anbau von gentechnisch verändertem Soja. Was hat das mit Europa zu tun?
Soja wird in Brasilien und Argentinien für Europa produziert. Ohne Soja gibt es keine billige Fleischproduktion in Deutschland und dem übrigen Europa. Im Unterschied zu Südamerika leben in Europa viele Menschen, die sich informieren können und die Gentechnik in der Landwirtschaft ablehnen. 80 Prozent sind dagegen. Europa muss nicht wiederholen, was Lateinamerika vor zehn Jahren angefangen hat, falsch zu machen.