Können Sie beschreiben, welche Wirkung die Hersteller mit MON 810 erzielen wollen?
Sie wollen vor allem mehr Pestizide verkaufen. Zur Erklärung muss ich etwas ausholen: Die Bakterie "Bacillus thuringiensis" ist schon seit langem in der ökologischen Landwirtschaft bekannt. Sie produziert ein Gift, das schädlich ist für Insekten wie den Maiszünsler und dessen Raupen. MON 810 soll ebenfalls helfen, den Maiszünsler zu bekämpfen. Meine These ist, dass die Industrie die Wirkung des natürlichen Schädlingbekämpfungsmittels zerstören will. Denn Fakt ist, dass die Insekten nach und nach gegen das Gift resistent werden. Wenn die gentechnisch veränderte Pflanze das Toxin produziert, wird sich die Resistenz erhöhen. Das wiederum bedeutet, dass die Bauern mehr Pestizide einsetzen müssen als jemals zuvor. Die meisten Sprecher der Chemieunternehmen behaupten, es gehe darum, weniger Pestizide zu spritzen. Aber die Fakten sprechen dagegen.
Und wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?
Das von mir beschriebene Bakterium zerstört auch andere Insekten, Nützlinge wie Marienkäfer. Das ist auch die offizielle Begründung von Frau Aigner gewesen, das Verbot auszusprechen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass der Genmais, wenn er verfüttert wird, Reproduktionsprobleme verursacht. Schließlich wird herkömmlicher Mais durch Auskreuzung mit dem gentechnisch veränderten Mais kontaminiert. Der herkömmliche oder ökologische Anbau von Mais wird dadurch unmöglich. Wenn dies nicht so wäre, würden die Bauern in Süddeutschland nicht so einen heftigen Widerstand leisten.
Ist der Protest gegen den Genmais nicht auch ein Sturm im Wasserglas, wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr auf lediglich 0,2 Prozent der Mais-Anbau-Fläche in Deutschland Gen-Mais stehen sollte?
Der Protest in Deutschland ist wichtig. Der Erfolg hat gezeigt, das in einem Land, in dem es viele Chemiekonzerne gibt und das auf vielfältige Weise von der Produktion von Chemie profitiert, der Einsatz der gentechnisch veränderten Pflanzen als nicht sinnvoll angesehen wird, wenn dadurch die landwirtschaftlichen Strukturen zerstört werden und die Verbraucher dies ablehnen. Politiker wie Sigmar Gabriel sehen keinen Grund, Politik gegen den Willen der Bürger zu machen, nur weil einige Unternehmen Druck auf die Politik und die Regierung ausüben. Es ist auch ein wichtiges Signal für die EU, dass Deutschland sich dagegen entschieden hat.