Weser Kurier - 18.04.2009
"Verbot ist ein wichtiges Signal"   

    
Experte Dr. Antonio Andrioli begrüßt Anbau-Stopp für Genmais in Deutschland
Der aus Brasilien stammende Experte setzt sich entschieden gegen den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen ein und fährt schweres Geschütz gegen die Konzerne auf, die diese Pflanzen vermarkten wollen. In einem Interview mit unserem Redakteur Lutz Rode stellte er seine Position dar.
Frage: Kurz vor der Mais-Aussaat hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein Anbau-Verbot für den gentechnisch veränderten Mais MON 810 des Konzerns Monsanto verhängt. Was halten Sie von dem Anbau-Stopp?
Antonio Andrioli: Ich finde es sehr gut, dass die Entscheidung auch in Deutschland so getroffen wurde. In vier anderen europäischen Ländern ist das ja bereits vorher geschehen. Vor allem finde ich es gut, dass es vor der Aussaat passiert ist. Wenn der Genmais ausgesät ist, lässt er sich nicht mehr kontrollieren. Wir können nicht ausschließen, dass die Pollen weiter getragen werden. Dann hätten die Bauern ein Problem, miteinander umzugehen. Bauern, die Genmais anbauen, würden die Felder der anderen zerstören.
Was sagen Sie zu den Argumenten, die zu dem Verbot geführt haben?
Ich gehe nicht davon aus, dass die Entscheidung auf Grund von neuen Studien getroffen wurde, wie es in der offiziellen Begründung heißt. Die Erkenntnisse, die jetzt ins Feld geführt werden, sind seit längerem bekannt. Neu ist, dass es den politischen Willen gegeben hat, ein Verbot auszusprechen. Das hat mit den bayerischen Bauern zu tun, die keine Gentechnik wollen und die Druck auf die CSU ausgeübt haben. So musste die CSU ihre Position ändern, sonst hätte die Partei ein Problem bei den Wahlen gehabt.