Perspektiven

Trotz allem bin ich kein Pessimist. Als Christ habe ich Hoffnung. Ich glaube noch an die Möglichkeit der Veränderung. Hierbei nutze ich meine Waffen: das Radio, die Kirche, die sozialen Bewegungen. Es gilt Bewusstsein zu bilden, denn nur dann, wenn das Volk das entsprechende Bewusstsein hat, können Veränderungen geschehen.

Mein Vorbild ist Mahatma Gandhi, der sich gegen die lang andauernde Herrschaft der Engländer aufgelehnt hat. Er hat erreicht, dass sich sein Volk befreien konnte. Auch Nelson Mandela bewundere ich: 27 Jahre im Gefängnis und gedemütigt, hat er seine Ideale nicht aufgegeben und sein Volk befreit. Ich bewundere Fidel Castro. Bis 1958 wurde das kubanische Volk durch die Nordamerikaner ausgebeutet.  Fidel ergriff die Macht, und in fünfzig Jahren gelang es ihm, das Analphabetentum auszurotten. Und nicht nur das: Talente wurden gefördert, der Zugang für alle zu den Universitäten wurde ermöglicht, ein fortschrittliches Gesundheitswesen geschaffen. Heute schickt Kuba Mediziner in alle Welt. Während Brasilien bei dem schlimmen Erdbeben in Haiti Soldaten entsandte, schickte Kuba 1.500 Ärzte.

Solidarität mit Belo Monte

Meiner Meinung nach macht es Sinn, wenn Franzosen, Engländer oder Deutsche sich mit den Betroffenen solidarisieren. Diese Solidarität muss jedoch auf zwei Wegen erfolgen: Protestschreiben und finanzielle Unterstützung einerseits, andererseits gilt es Druck auf die eigenen Regierungen auszuüben. Diese profitieren ja ebenfalls von den bestehenden Marktmechanismen. Betrachten wir beispielsweise die bisher stattgefundenen Klimakonferenzen: Weshalb haben sie bisher keine guten Ergebnisse zustande gebracht? Die Staatschefs der reichen Länder sind gefangen in dem Bemühen, den guten Lebensstandard ihrer Bevölkerung zu erhalten. Und wovon hängt dieses gute Leben in Deutschland, Frankreich. Kanada, Japan ab? Es steht im Zusammenhang mit der Verschmutzung der Umwelt: Industrieanlagen, Luft-und Wasserverschmutzung,  Ölindustrie, all dies bewirkt Umweltzerstörung. Die reichen Länder sind nicht bereit, ihren Lebensstil zu ändern. 

Ich habe gelesen, dass weite Teile der Bevölkerung in Europa eine Sensibilität für die Umwelt haben - mehr als in Nordamerika. Sonnen- und Windenergie verbreiten sich in Europa. Zugleich jedoch ist es nicht üblich, den Zug zu benutzen. Fast jede Familie hat ein oder zwei Autos, manche sogar drei Pkw. Jedes Auto hat vier Reifen. Nach vier, fünf Jahren sind diese abgefahren. Der Europäer lässt diese Reifen nicht erneuern, sondern kauft einfach neue. Dies bedeutet, dass der „Reifenfriedhof“ immer mehr anwächst. Jährlich fallen in Europa 350 Millionen Altreifen an. Was macht der Europäer? Er verkauft diese billig in die armen Länder. In Brasilien gibt es ein Gesetz, das den Import gebrauchter Reifen verbietet. Allein in diesem Land fallen jährlich 350.000 gebrauchte Reifen an. Augenblicklich wird von Europa Druck auf Brasilien ausgeübt, den Markt für gebrauchte Reifen aus Europa zu öffnen. Man stelle sich diese Hybris vor: Wir sind besorgt um die Umwelt, schicken den Müll aber in arme Länder!

Rádio Rural de Santarém -  Rede de Notícias da Amazônia

Wir haben ein Informationsnetz von Radiosendeanstalten aufgebaut. Seit 2008 existiert Rede de Notícias da Amazônia, und als solches sind wir Teil des lateinamerikanischen Zusammenschlusses Aler – Associação Latinamericana de Educação Radiofônica. Auch arbeiten wir mit der Deutschen Welle zusammen, die uns bei der Ausbildung sehr behilflich ist. Welches Ziel streben wir an?
In Amazonien leben mehr als 20 Mio. Menschen. Darunter sind viele indigene Gemeinschaften mit einer eigenen Kultur. Außerdem gibt es hier eine große Biodiversität. Wir versuchen Amazonien und dessen Bewohner über das Medium Radio eine Stimme zu gegen. Auch gilt es, die Bewohner Amazoniens über Bewegungen, die kulturelle Vielfalt, die Hoffnungen und aktive Volksbewegungen zu informieren, eine Beteiligung der Hörer zu stimulieren. Diese sollen erkennen, dass es „ihr Radio“ ist. Dies ist das Hauptanliegen unseres Radionetzes.

Angefangen hat alles mit einigen Sendern der katholischen Kirche, darunter Radio Rural de Santarém. Diese funktionieren bereits seit über vierzig Jahren. Sie entstanden zur Zeit der Militärdiktatur. Ein großes Problem bei uns in Amazonien sind die sehr großen Entfernungen: Flüge sind teuer, Schiffsfahrten dauern lange, es gibt wenige Straßen.

Dank der Unterstützung von Adveniat aus Deutschland  kam es ab 2003 zu einem ersten Treffen zwischen den verschiedenen Radiosendern Amazoniens. Die Frage wurde diskutiert, wie die von mir genannten Ziele erreicht werden könnten. Mit der Zeit bildete sich ein Netz von zehn Sendeanstalten, und seit einigen Jahren sind wir täglich jeweils 30 Minuten mit Noticias da Amazônia (Notizen aus Amazonien), auf Sendung. Jede der teilnehmenden Sendeanstalten ist mit einem Beitrag vertreten. Seit zwei Jahren gibt es ein weiteres gemeinsames Programm: Einmal wöchentlich versuchen wir gezielt Fragen der Umwelt zu thematisieren und zu umweltbewusstem Verhalten anzuleiten. Verantwortlich zeichnet sich jeweils ein anderer Sender. Heute sind  dreizehn Sendeanstalten Teil des Rede de Noticias da Amazônia. Wir haben den Traum, ein weiteres Programm starten zu können, in dem wir Debatten über Fragen Amazoniens wie beispielsweise über die Folgen des Abbaus von Bodenschätzen live senden möchten. Einmal wöchentlich eine jeweils sechzigminütige Sendung wäre prima. Allerdings benötigen wir zur Verwirklichung dieser Idee eine bessere technische Ausrüstung. Dies wird wohl noch etwas dauern.  Die Arbeit mit dem Internet  ist noch problematisch, da die Verbindungen schlecht sind. Es wäre schön, wenn in Boa Vista ein Programm ausgestrahlt werden könnte und die Leute zugleich in anderen Gegenden Amazoniens die Gelegenheit hätten, mit zu diskutieren. Wir sind auf Verbündete angewiesen, um dies verwirklichen zu können.

Bisher arbeiten wir ohne Werbung, werden sie aber wohl zukünftig benötigen. Um das Netz aufrecht erhalten zu können, benötigen wir finanzielle Mittel. Wir möchten jedoch Werbung nur von Unternehmen aufnehmen, die sich dem Schutz Amazoniens verpflichtet fühlen. Für die inzwischen zweimal jährlich stattfindenden gemeinsamen Treffen der beteiligten Sendeanstalten sind wir auf Unterstützung von außen wie von Adveniat und Misereor angewiesen. Eine Hauptaufgabe der nächsten Zeit wird sein, eine Strategie auszuarbeiten, die eine Unterstützung unseres Anliegens, nämlich Amazonien und dessen Bewohner zu schützen und ihnen eine Stimme zu verleihen, zur Folge hat.“

Trotz der spürbaren Enttäuschung über die Regierungspolitik versucht Pe. Edilberto mit seinen Möglichkeiten - so ist er jederzeit ansprechbar -, seinen Beitrag für ein lebenswertes Leben in Amazonien zu leisten und nicht nur mahnend seine Stimme zu erheben. Dass er deshalb schon öfters bedroht wurde, nimmt er in Kauf. Seine kompromisslose Haltung bringt ihm bei den „einfachen Leuten“ viele Sympathien ein, die Unterstützung seitens der Amtskirche ist dagegen kaum vorhanden.

Aus den Radiosendungen von Pe. Edilberto Sena

29.11.2002:Eine neue Regierungsära beginnt
Es gibt Leute, die nicht glauben wollen, dass in den nächsten Wochen ein neuer Regierungsstil beginnen wird. Kann es sein, dass sie nicht glauben, dass die neue Regierung ehrlich sein wird und sich der Sache der Mehrheit der Bevölkerung verpflichtet fühlt? Lula wurde gerade deshalb gewählt, weil er diese Werte verkörpert! Das Volk ist der Korruption und der Straffreiheit müde. Es beginnt eine neue Ära in Brasilien.“

7.11.2006 Lula und die Wasserkraftwerke
„Mit einer Hand versucht Präsident Lula die zufrieden zu stellen, die den Traum hatten, die Regierung Brasiliens würde sich dem Volk zuwenden und soziale Gerechtigkeit verwirklichen. Mit der anderen Hand, der großzügigeren, befriedigt er den unstillbaren Appetit der Industrie, der Banken, der Agroindustrie, den multinationalen Konzerne. Der Großteil seiner Wählerschaft sind nicht die Empfänger von Bolsa familia, sondern Leute, die ein Brasilien wünschen, das die Natur respektiert, Amazonien, seine Vielfalt, seine Bewohner. Die Regierung ist entschlossen, die Wasserkraft auszubauen, sei es am Rio Madeira, Belo Monte am Xingu und bald auch in São Luís do Tapajós und so weiter. Alles für das wirtschaftliche Wachstum. Wie kann man noch an die Reden des Präsidenten glauben, wenn er von der Verteidigung Amazoniens spricht und gleichzeitig eine solche Politik verfolgt?“

Auf den folgenden Webseiten kann die Arbeit der Radiosender mitverfolgt werden:
http://radioruraldesantarem.com.br
http://www.rededenoticiasdaamazonia.com.br

Wer die Arbeit der Radiosendeanstalten unterstützen möchte, kann auf das folgende Konto eine Spende überweisen:

Brasilieninitiative Freiburg e.V.
Volksbank Freiburg
Konto 250 548 06, BLZ 680 900 00
Stichwort Santarém