Zur Regierungspolitik

Vor allem auf Lula habe ich gesetzt. Wir haben gemeinsam die Partei (Anm.: Partido dos Trabalhadores – PT, Arbeiterpartei) aufgebaut. Er versprach ein neues Modell für unser Land. Mit seiner Machtübernahme im Jahr 2002 verband ich die Hoffnung, dass der Sozialbereich eindeutige Priorität bekäme. Stattdessen wurde der wirtschaftliche Ausbau vorangetrieben, die Sozialprogramme sind nicht mehr als ein Tropfen im Ozean.

Das Soziale sollte Priorität vor der wirtschaftlichen Seite haben - dies entpuppte sich als reine Lüge. Es folgte Dilma; wir stimmten für sie als das geringere Übel anstelle von ihrem Gegenkandidaten Serra. Heute muss ich leider feststellen, dass Dilma genauso kriminell ist wie Serra. Warum? Auch sie benutzt Amazonien, lässt die Bodenschätze ausbeuten, stimmt einem neuen Waldgesetz zu, das negative Auswirkungen haben wird. Ein Beispiel: In den nächsten Jahren kommt es zur Überschwemmung von 150.000 Hektar Waldfläche und weiterer 20.000 Hektar des unter Naturschutz stehenden Waldgebiete „Itaituba 1“ und „Itaituba 2“, um Wasserkraftwerke zu errichten. Wer kann noch an diese Regierung glauben, wenn sie gleichzeitig den Schutz des Regenwaldes propagiert und dann per Gesetz diese Zerstörung beschließen lässt? Hinzu kommt ja auch noch die Vernichtung des Waldes durch den Holzabbau, die Viehzüchter und ausländische Konzerne.

Brasilien ist heute einer der größten Exporteure von Rindfleisch. Dieses geht in über 100 Länder, und die Viehherden umfassen insgesamt  240 Millionen Rinder! Um für so viele Tiere Weidefläche zu erhalten, muss man Wald vernichten. Dies ist der Weg, auf dem Brasilien den sechsten Platz als  stärkste Wirtschaftsmacht der Welt erreicht - durch Zerstörung der Natur.

Zur Indigenenpolitik

Oft hört man, dass die Indigenen heutzutage zufrieden in Reservaten leben. Auch dies ist eine Lüge. In ganz Brasilien leben heute noch ungefähr 800.000 Indigene. Allein bei uns in Amazonien gibt es über einhundert indigene Sprachen. Es sind Völker, die bereits vor der Invasion durch die Portugiesen hier lebten. Die Mehrzahl der indigenen Gebiete ist bis heute nicht demarkiert. Ganz kritisch ist die Lage der Guarani-Kaiowa in Mato Grosso do Sul (siehe BN 145). Sie leben im Elend, werden gedemütigt, ihr Land wird ihnen von Fazendeiros genommen. Sie werden von ihnen ermordet, und die Regierung hat nicht den Mut, gegen sie vorzugehen.

Immer noch erfolgt eine Invasion von Goldsuchern, Holzhändlern und Bergbauunternehmen. Die Regierung unternimmt nichts. Warum? Weil die brasilianische Regierung auf den fünften Platz in der Weltrangliste der größten Industrienationen vorrücken möchte. Deshalb muss exportiert werden. Um exportieren zu können, muss die Natur ausgebeutet werden. So kommt es zu keinen Demarkierungen der Indianerreservate, zu keiner Agrarreform – diese fand nie statt und wird nicht stattfinden. Es ist hart, all dies sagen zu müssen, aber es ist wichtig, dass die Menschen in Europa die Worthülsen der Politiker wahrnehmen und die Realität unseres Landes richtig sehen. Ich sage dies alles mit einer gewissen Traurigkeit.