Edilberto FranciscoEdilberto Senna, Priester, Radiomann aus Amazonien, hielt auf Einladung der Brasilieninitiative Freiburg e.V. am 27.09. in Freiburg einen vielbeachteten Vortrag. Die Badische Zeitung berichtete. Über Edilberto Senna berichteten wir bereits in den BrasilienNachrichten

Ein Radiomann und sein Kampf um Amazonien

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Edilberto Francisco Moura Sena wurde in Beltera, 45 km von Santarém entfernt im  Bundesstaat Pará mitten in Amazonien als eines von 14 Geschwistern geboren. Er studierte Philosophie in Illinois in den USA und Theologie in Salvador da Bahia.1970 zum Priester geweiht, ist er ein Verfechter der Befreiungstheologie. In Santarém ist er zudem verantwortlich für das Rádio Rural de Santarém. 2003 verwirklichte sich ein Traum von Pe. Edilberto, indem es zu einem Zusammenschluss verschiedener Radiosendeanstalten kam. Daraus entstand 2008 das Informationsnetzwerk Rede de Notícias da Amazônia.

Vortrag am 27.09.13 Brasilieninitiative Freiburg e.V.Wir sitzen in seinem Büro bei Rádio Rural de Santarém. Mir gegenüber sitzt ein kämpferischer Edilberto Senna. Seine siebzig Jahre sieht man ihm nicht an; sein Engagement ist weit über Santarém bekannt. Kritisch und streitbar setzt er sich seit Jahrzehnten für „sein Amazonien“ ein. Dabei ist eine seiner „Waffen“  der Radiosender Rádio Rural de Santarém, dessen Direktor er ist. Zudem ist er Koordinator der  „Frente da Defesa da Amazônia – eines Bündnisses zur Verteidigung Amazoniens. Edilberto gründete dieses Bündnis, um Amazonien gegen das Eindringen von verschiedenen Seiten mit all seinen negativen Folgen  zu schützen. Edilberto scheute und scheut sich bis heute nicht, auch die Regierungspläne, die seiner Meinung nach zu sehr auf die wirtschaftliche Ausbeutung ausgerichtet sind, heftig zu kritisieren.

Edilberto Senna, Priester, Radiomann aus Amazonien bei der Brasilieninitiative Freiburg e.V.Das einstmals überzeugte Parteimitglied der Arbeiterpartei (PT) und einstiger Anhänger des Präsidenten Lula sieht sich inzwischen getäuscht, ja sogar betrogen. So moniert er, dass die reale Politik unter Lula und jetzt unter dessen Nachfolgerin Dilma Rousseff einen „Verrat an Amazonien“ darstelle. Er verweist als Beispiel nicht nur auf das im Bau befindliche Wasserkraftwerk Belo Monte am Rio Xingú (siehe BN 145), sondern prangert auch die Regierungspläne der nächsten Jahrzehnte an. Diese sehen die Errichtung von über sechzig weiteren Wasserkraftwerken in Amazonien vor - für Edilberto die reine Katastrophe.

Mit dem Rádio Rural hat er ein wichtiges Medium zur Hand, um die verschiedensten Bevölkerungsgruppen Amazoniens  vor allem Indigene, Flussbewohner (Ribeirinhos) und Kleinbauern (Posseiros) die nicht selten weit abgelegen von der westlichen Zivilisation leben, zu erreichen. Rádio Rural sendet täglich von 4.00 bis 23.00 Uhr und hat inzwischen eine Hörerschaft von 50.000 Personen. Edilberto sieht sich in der Pflicht, dieses Medium zur Sensibilisierung der Landbevölkerung zu nutzen: „Ich habe meinem Volk zu helfen, mein Volk darin zu bestärken, den Feinden in unsrer Region die Stirn zu bieten.“  Die Herausforderungen sind vielfältig: die Ausweitung der Sojaplantagen, der Viehzucht, des Bergbaus, aber auch die Politik der Regierung. „Die geplanten Wasserkraftwerke bedeuten große, irreparable Umweltschäden. Es sind Eingriffe in das Ökosystem und in das Leben der Menschen, die vom Wald und vom Fluss abhängig sind, um überleben zu können.“
Im Folgenden Auszüge aus einem langen Gespräch, in dem Pe. Edilberto seine Sichtweise zu einigen Aspekten Brasiliens wiedergibt: